Inner Harbour Seoul-Incheon Korea
Vom Hafenareal zur neuen Stadtlandschaft am Wasser
Die Struktur des Hafens wird zum Gerüst der neuen Stadt.
Hafenareale gehören zu den großen Transformationsräumen wachsender Metropolen. In Seoul-Incheon trifft diese Aufgabe auf einen Standort zwischen internationalem Flughafen, historischem Stadtzentrum und einer nahezu geschlossenen metropolitanen Siedlungsstruktur. Mit 464 Hektar besitzt der Inner Harbour eine Dimension, die seine Entwicklung zu einer Aufgabe für die Gesamtstadt macht. Veränderte Anforderungen der Containerschifffahrt haben die Hafenaktivitäten in neue Anlagen nördlich und südlich des Inner Harbour verlagert. Dadurch entstehen neue Potenziale für Wohnen, Arbeiten, Freizeit und öffentliche Räume am Wasser. Zugleich bietet sich die Chance, Incheons Old Downtown stärker mit der Küste und den angrenzenden Stadtteilen zu verknüpfen.
Für ASTOC knüpft die Aufgabe an die langjährige Beschäftigung mit der Transformation großer Hafenareale an. Erfahrungen aus der HafenCity Hamburg sowie Wettbewerbsbeiträge für Køge Kyst und den Winter Harbour Bratislava bilden einen Referenzrahmen für den Umgang mit langfristigem Strukturwandel und großmaßstäblichen Entwicklungsprozessen. Ausgangspunkt des Masterplans ist die vorhandene Geometrie des Hafens. Die Y-förmige Struktur der Hafenbecken gliedert das Gebiet und wird zum räumlichen Gerüst der neuen Stadtlandschaft. Unterschiedliche Quartiere, Nutzungen und Gebäudetypologien besetzen die Piers und schaffen eigenständige Adressen an den Wasserkanten. Der Hafen bleibt dabei als prägendes Element des Ortes ablesbar und wird zugleich zum öffentlichen Stadtraum weiterentwickelt.
Ein übergeordneter Freiraum-Loop verbindet die wichtigen Grün- und Stadträume rund um den Inner Harbour. Er führt von Incheon Old Town und Jayu Park im Norden über den Bahnhof zu den neuen gemischt genutzten Quartieren entlang der Hafenpromenaden weiter durch ein grünes Becken im Süden bis zum Wolmi Park auf der Westseite. Parks, Plätze, Promenaden und Fußwege verdichten dieses übergeordnete Netz zu einer durchgängigen Stadtlandschaft.
Der öffentliche Verkehr ergänzt dieses räumliche Gerüst und schafft direkte Verbindungen innerhalb des großen Entwicklungsgebiets. Eine Tramlinie verbindet Old Downtown mit den neuen Quartieren rund um den Hafen. Seilbahn und Wassertaxi ergänzen das Netz durch direkte Querverbindungen. Brücken zwischen den Piers sowie ein dichtes Fuß- und Radwegenetz verkürzen die Wege innerhalb des 464 Hektar großen Gebiets. Mobilitätsstationen an den Haltestellen bündeln weitere Angebote und unterstützen eine quartiersbezogene Organisation des ruhenden Verkehrs. Die bestehenden Hafenbecken werden zum verbindenden Element zwischen den neuen Quartieren. Ihre Wasserkanten bilden öffentliche Räume, während Brücken und Wege die einzelnen Piers miteinander verknüpfen. Sichtachsen entlang der Hafenbecken bleiben erhalten und setzen die maritime Geometrie im Stadtraum fort. So entstehen vielfältige Orte für Alltag, Freizeit, Sport und Kultur. Aus der ehemaligen Hafeninfrastruktur entwickelt sich eine zusammenhängende Stadtlandschaft, in der Hafenbecken, neue Freiräume und urbane Nutzungen unmittelbar aufeinandertreffen.
Inner Harbour zeigt, wie ein großmaßstäbliches Hafenareal schrittweise Teil der bestehenden Stadt werden kann. Entscheidend ist dabei nicht die einzelne bauliche Setzung, sondern ein robustes räumliches Gerüst aus Wasser, Freiraum und Mobilität. Es schafft Orientierung und Identität, verbindet bestehende und neue Stadtbereiche und lässt unterschiedliche Entwicklungsgeschwindigkeiten zu. So wird die Transformation des Hafens zu einem langfristigen Prozess, der neue urbane Räume schafft und zugleich den besonderen Charakter des Ortes bewahrt.
Auftraggeberin
Incheon Metropolitan City, Seoul-Incheon, Ministry of Oceans and Fisheries
Größe
464 ha
Planung
2018
Leistung
Internationaler Masterplan 2. Platz
Zusammenarbeit
BAEK Architekten, Berlin
Credits: ASTOC