Bratislava Docklands
Städtebauliche Transformation des Winter Harbour
Im Herzen von Bratislava verdoppelt eine neue Waterfront die Kontaktfläche der Stadt mit der Donau.
Bratislava besitzt mit dem Winterhafen die Chance, seine Stadtentwicklung enger mit der Donau zu verknüpfen. Das ehemalige Hafenareal verbindet eine innenstadtnahe Lage mit einem ausgeprägten industriellen Erbe. Die Aufgabe koppelt Wohnraumentwicklung, spannungsreiche öffentliche Räume und nachhaltige Mobilität mit einer neuen Beziehung zwischen Stadt und Wasser. Zugleich eröffnet die Lage am Winterhafen die Möglichkeit, eine bislang funktional geprägte Uferzone in einen nutzbaren Teil der Stadt zu überführen.
Die erwartete hohe Nutzungsdichte verlangt nach einer Stadtstruktur, die kurze Wege, leistungsfähige Freiräume und gute Erreichbarkeit zusammenführt. Der neue Stadtteil in fußläufiger Entfernung zum Zentrum stärkt die Verbindung zwischen Arbeit, Wohnen, Freizeit und Donau. Öffentliche Räume übernehmen dabei eine verbindende Rolle zwischen den einzelnen Nachbarschaften und dem Wasser.
Für ASTOC bündelt die Aufgabe zentrale Themen großmaßstäblicher Transformation, darunter Stadtentwicklung am Wasser, Hochwasserschutz, historische Bausubstanz und die herausfordernde Identitätsbildung eines neuen Stadtteils. Auf 65 Hektar ordnet der Entwurf rund 1.040.000 m² Bruttogrundfläche. 70 Prozent entfallen dabei auf Wohnen, 30 Prozent auf Büros und öffentliche Nutzungen. Fünf Nachbarschaften reagieren auf unterschiedliche Lagen am Hafen und erhalten eigene Gebäudetypologien, Freiräume und räumliche Schwerpunkte. Ihre unterschiedlichen Charaktere übersetzen den großen Maßstab des Areals in erkennbare Teilräume und schaffen differenzierte Adressen entlang des Wassers.
Eine durchgehende Uferpromenade schafft mehr als vier Kilometer neue Waterfront entlang des Winterhafens und verdoppelt damit die zugängliche Uferkante zur Donau. Stadtplätze, ein großer Park sowie Sport- und Freizeitangebote bilden ein zusammenhängendes Freiraumsystem. Neue Radwege und ein ausgebauter öffentlicher Verkehr verknüpfen die Docklands mit dem übrigen Stadtgebiet und unterstützen kurze Alltagswege.
Ein maritimes Museum, ein öffentliches Schwimmbad und eine Konzerthalle ergänzen die quartiersbezogenen Nutzungen um Ziele mit gesamtstädtischer und regionaler Reichweite. Die Mischung dieser Angebote schafft unterschiedliche Anlässe, den neuen Stadtteil über den Tagesverlauf hinweg zu nutzen. Kaianlagen, elf historische Kräne, Hafenamt, Lagerhäuser, Bootswerkstatt und Bootslift bleiben als räumliche Bezugspunkte im neuen Stadtteil erhalten. Sie verankern die fünf Nachbarschaften in der Geschichte des Ortes und schaffen Orientierung entlang der Waterfront. Der industrielle Bestand übernimmt eine aktive Rolle für Identität, Adressbildung und öffentlichen Raum. Die vorhandenen Elemente verbinden die neue Nutzungsmischung mit der Geschichte des Hafens und geben den einzelnen Teilräumen gemeinsame Bezugspunkte.


Die städtebauliche Bedeutung liegt in der Kopplung von hoher innerstädtischer Dichte, durchgängiger Öffentlichkeit am Wasser und identitätsstiftendem Bestand. Dabei werden die Promenaden und Uferparks, Kultur- und Freizeitnutzungen zur zentralen Bühne des Stadtteils. Bratislava Docklands zeigt exemplarisch, wie sich Potenziale ehemaliger Hafenflächen durch die Transformation in einen innerstädtischen Stadtteil mit facettenreichen Freiräumen am Wasser zu einem Ort mit einzigartiger stadträumlicher Identität verbinden lassen.
Auftraggeberin
Stadt Bratislava und Verejné prístavy, a.s. (Public Ports JSC.)
Größe
1.040.000 m² BGF, 65 ha
Planung
2026
Leistung
Wettbewerb
Zusammenarbeit
Studio Perspektiv, Prag (CZ),
Atelier Partero, Brno (CZ)
Credits: (1–6 ) ASTOC, Studio Perspektiv, Atelier Partero