Hafencity Hamburg

Masterplan für die Erweiterung der Hamburger Innenstadt

Die HafenCity erweitert den Hamburger Stadtkern um 40 Prozent und verknüpft die historische Textur der Speicherstadt mit einer neuen, hochwassergeschützten Urbanität an der Elbe.

Historische Luftaufnahmen aus dem Jahr 1930 verdeutlichen die einstige Zäsur zwischen dem gewachsenen Stadtkern und dem durch die Speicherstadt abgetrennten Freihafengebiet. Mit einer Fläche von 157 Hektar und einer Bruttogrundfläche von ca. 2,52 Millionen Quadratmetern ist die HafenCity heute eines der bedeutendsten innerstädtischen Stadtentwicklungsprojekte Europas. Das Vorhaben ermöglicht die Erweiterung der Hamburger Innenstadtfläche um 40 Prozent. Die Speicherstadt fungiert dabei als morphologisches Gelenk und historischer Ankerpunkt, um den Stadtkern nach über einem Jahrhundert wieder unmittelbar an die Elbe zu führen.

Die konzeptionelle Basis wurde bereits 1989 im Rahmen des 4. Bauforums in den Deichtorhallen gelegt. In einer intensiven Werkstattatmosphäre entwickelten Architekten und Stadtplaner an großmaßstäblichen Arbeitsmodellen die Vision einer Stadterweiterung auf dem damals noch hafenwirtschaftlich genutzten Areal. Diese Überlegungen waren Teil des übergreifenden Planungsprinzips der Perlenkette, die eine Revitalisierung des nördlichen Elbuferstreifens und eine sukzessive Öffnung der Stadt zum Wasser vorsah.

Hamburg-Grasbrook um 1930
Übergeordnete Attraktoren

Das von ASTOC mit KCAP entwickelte Konzept basiert auf der methodischen Trennung von fixierten Grundsätzen und einem operativ flexiblen Regelwerk. Diese Strategie sichert die städtebauliche Qualität gegenüber unregelmäßigen Wachstumszyklen und Paradigmenwechseln – wie der Transformation von einer bürodominierten Planung hin zu einem nutzungsgemischten Quartier mit hohem Wohnanteil und sozialer Diversität.

Der Masterplan definierte Ressourceneffizienz und Funktionsmischung als verbindliche Zielgrößen und schuf damit die Grundlage für das Umweltzeichen HafenCity. Die Belastbarkeit dieses Systems wurde 2010 durch die prozessuale Erweiterung des Masterplans auf die östlichen Quartiere unter intensiver öffentlicher Partizipation belegt.

Die bauliche Umsetzung transformiert das ehemalige Hafengelände in ein hochverdichtetes Quartier für ca. 16.000 Menschen und rund 45.000 Arbeitsplätze. Dabei definiert das Steuerungsinstrumentarium präzise Leitplanken, die über rein formale Vorgaben hinausgehen. Fixierte Sichtbeziehungen zwischen der bestehenden Innenstadt und der Elbe sowie exakt definierte Dichteverhältnisse und Hochpunktoptionen sichern die räumliche Grundstruktur und die visuelle Durchlässigkeit des Quartiers. Eine obligatorische Erdgeschossnutzung für publikumsbezogene Funktionen sowie eine Sequenz aus flutgeschützten Plätzen und Promenaden zielen auf eine kontinuierliche urbane Frequenz ab. Die Realisierung folgt dabei dem Umweltzeichen HafenCity, einem projektspezifischen Zertifizierungssystem für nachhaltiges Bauen. Dieses Instrumentarium fungiert als Steuerungsinstrument, um Nachhaltigkeitsziele und ein für die damalige Zeit radikales Mobilitätskonzept verbindlich einzufordern. Dessen Kernstück war die massive infrastrukturelle Vorleistung durch den Bau der U-Bahn-Linie U4. Die Unterquerung der Elbe und die frühe Anbindung des Quartiers an das Hamburger Schnellbahnnetz bildeten das Rückgrat für eine Stadt der kurzen Wege, die den öffentlichen Raum primär dem Fuß- und Radverkehr vorbehält und die Abhängigkeit vom motorisierten Individualverkehr systematisch reduziert.

Die Stabilität des Planwerks resultiert aus der Verzahnung von hanseatischer Tradition, der Materialität des Klinkers und der Maßstäblichkeit der europäischen Stadt sowie globaler Fortschrittlichkeit in Form von Klimaanpassungsstrategien. Die Warftenlösung, eine künstliche Geländeerhöhung zum Hochwasserschutz bei gleichzeitigem Wasserbezug, bildet hierfür die technische Grundlage. Der Mehrwert liegt in einer resilienten Stadtstruktur, die durch ASTOC und KCAP moderiert wurde. Das Projekt beweist, dass großmaßstäbliche Planung durch ein lernendes Regelwerk über Jahrzete hinweg steuerbar bleibt.

Auftraggeberin
HafenCity Hamburg GmbH, Freie- und Hansestadt Hamburg

Größe
157 Hektar

Planung und Realisierung
1999–2030

Leistung
Internationaler Wettbewerb (1999, 1. Preis), Masterplan, Moderation und Funktionsplan Dalmannkai, Überseequartier, Strandkai, fachliche Begleitung der Bebauungspläne

Zusammenarbeit
KCAP, Rotterdam, Hamburgplan

Auszeichnungen
Auszeichnung Guter Bauten 2017, BDA Mülheim a.d.R., Architizer A+Awards 2017, Kategorie Higher Education & Research Facilities, Nominierung Immobilien Manager Award 2017, Kategorie Projektentwicklung Neubau, Shortlist, iF Design Award 2017, Disziplin Architektur

Credits: (1,16) Thomas Hampel ELBE&FLUT, (2) Public domain via Wikimedia Commons Gustav Werbeck, (3, 4–12,16) ASTOC (13) Adobe Stock MStein, (14) Prof. Leo Schenk

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