Europacity Berlin
Masterplan für die Transformation des ehemaligen Mauerstreifens
Ein robustes städtebauliches Gerüst als Basis für urbane Nachbarschaften.
Zwischen 1961 und 1989 markierte das Areal am Spreebogen einen zentralen Abschnitt der Berliner Mauer. Die Neuordnung dieses ehemaligen Niemandslands erhielt durch die Inbetriebnahme des Berliner Hauptbahnhofs im Jahr 2006 einen entscheidenden Impuls. Im Jahr 2008 gewann ASTOC in Zusammenarbeit mit Urban Catalyst und ARGUS den internationalen Wettbewerb für die Entwicklung dieser 40 Hektar großen Fläche. Im Fadenkreuz zwischen Regierungsviertel, Hauptbahnhof und dem Museum Hamburger Bahnhof entstand ein großstädtisches Quartier, das die historische Zäsur durch eine belastbare Stadtstruktur heilt.
Die Planung knüpft an die Stadtstruktur im europäischen Sinne an. Ziel ist ein stabiles Grundgerüst, das differenzierte Teilatmosphären ermöglicht und gleichzeitig eine hohe funktionale Dichte sichert. Der Masterplan definiert hierfür die notwendige urbane Körnigkeit und setzt klare Raumkanten, die das Quartier im heterogenen Umfeld verankern. Die Integration historischer Spuren, wie der Umbau des Kornversuchsspeichers zu Galerien, sichert die lokale Identität innerhalb der Transformation.
Die räumliche Anordnung folgt einer strikten funktionalen Logik, um die Standortnachteile der angrenzenden Infrastrukturen zu kompensieren: Immissionsschutz und Adressbildung: Entlang der Bahntrasse schirmen großmaßstäbliche Gewerbe- und Bürobauten die dahinterliegenden Wohnquartiere vom Verkehrslärm ab. Diese Baukörper behaupten sich als klare Kanten gegenüber der verkehrsdominierten Umgebung am Nordhafen.
Öffentlicher Raum und Wasserbezug: Der ehemals unzugängliche Uferstreifen wird als öffentliche Promenade erschlossen. Der Stadthafen bildet das atmosphärische Zentrum und verknüpft die Heidestraße mit dem Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal
Spektrum der Freiräume: Die Freiraumplanung reicht von der mineralisch geprägten Umgebung am Kunst-Campus über begrünte Innenhöfe in den Wohnblöcken bis hin zum öffentlichen Park im Norden. Diese Differenzierung sichert die Aufenthaltsqualität für unterschiedliche Nutzergruppen.
Die Qualität des Entwurfs liegt in seiner strukturellen Belastbarkeit. Durch die Festlegung von Sichtachsen, Durchwegungen und Nutzungstypologien schafft ASTOC eine städtebauliche Grammatik, die über die architektonische Ausformung der Einzelgebäude hinaus Bestand hat. Die Planung sichert die notwendige Urbanität an einem der wichtigsten europäischen Verkehrsknotenpunkte.
Eine kritische Reflexion über das Spannungsfeld zwischen planerischer Intention und realisierter Architektur bietet der Artikel Learning from Europacity in der BauNetzWoche #690.
Baunetz PDF
Auftraggeberin
CA Immo Deutschland GmbH,
Land Berlin, DB AG
Größe
rd. 40 ha
Planung und Realisierung
2008–2016, überwiegend realisiert (Stand 2025)
Leistung
Bebauungsplanbegleitung, Masterplanung, Qualifizierung Baufelder
Zusammenarbeit
Urban Catalyst Studio Berlin, ARGUS Stadt- und Verkehrsplanung Hamburg
Auszeichnung
1. Preis internationaler Wettbewerb 2008, städtebaulicher Rahmenplan
Fotocredit: Baumassenmodell der Europacity, Vivico, alle weiteren Abbildungen ASTOC