Quartier Die Welle Köln
Transformation eines ehemaligen Firmenstandorts in ein Wohnquartier
Wo das Funkhaus der Deutschen Welle stand, entsteht ein urbanes Quartier mit 752 Wohnungen.
Am Raderberggürtel in Köln-Marienburg entsteht auf dem ehemaligen Areal der Deutschen Welle das derzeit größte in Realisierung befindliche Wohnungsbauprojekt der Stadt. Das markante, 138 Meter hohe Funkhaus wurde nach jahrelangem Leerstand aufgrund von Asbestbelastung von 2019 bis 2021 zurückgebaut; seine charakteristische Farbgebung inspirierte das Farbkonzept des Neubaus 752 Wohneinheiten, eine sechszügige Kita und wohngebietsverträgliche Gewerbeeinheiten schaffen einen neuen urbanen Baustein in einem heterogenen Umfeld zwischen dem verkehrsreichen Gürtel, dem Deutschlandradio, kleinteiliger Wohnbebauung und dem Fritz-Encke-Park. 2015 ging ASTOC aus einem Wettbewerb als Sieger hervor und entwickelte ein städtebauliches Konzept, das die Großform des Quartiers als Antwort auf den Ort begreift.


Die Bebauung fasst den Raderberggürtel und die Mertener Straße mit klaren Raumkanten und schirmt das Innere durch ihre Stellung vor Verkehrs- und Gewerbelärm. Im Quartier entsteht dadurch eine Abfolge lärmgeschützter Innenhöfe mit privaten Gärten, gemeinschaftlich nutzbaren Flächen und differenzierten Freiraumqualitäten. Eine zentrale, autofreie Nord-Süd-Achse verzahnt die Bebauung mit dem öffentlichen Grünzug und dem Fritz-Encke-Park. Die Architektur differenziert bewusst zwischen öffentlichen Adressen und privaten Rückzugsbereichen: Zur Stadt zeigen sich fünfgeschossige Baukörper mit zwei zurückspringenden Staffelgeschossen, zu den Innenhöfen sechsgeschossige Volumen mit einem Staffelgeschoss. Diese zweifache Gebäudehöhe ermöglicht unterschiedliche räumliche Qualitäten und prägt die städtebauliche Figur.
Bei einem Projekt dieser Größenordnung ist die Vermeidung von Anonymität und die Stärkung von Identifikation zentral. Gliederung und Farbkonzept sind daher keine formalen Gesten, sondern Werkzeuge für gelebte Nachbarschaften. Rücksprünge, Einschnitte und Staffelgeschosse gliedern die Bebauung in ein städtisches Maß ablesbarer Häuser, mit denen sich Bewohnerinnen und Bewohner identifizieren können. Drei Farbräume strukturieren das Quartier in Anlehnung an diese historische Referenz und verleihen den sechs Bauabschnitten eine prägende Identität nach außen wie spannungsvolle Atmosphären im Inneren. Die Materialität folgt einer klaren Logik: Zu den öffentlichen und halböffentlichen Bereichen hin wird eine keramische Fassade ausgeführt, zu den privaten Höfen ein verputzter Oberbelag. Gelochte Metallelemente gliedern die Treppenhausfassaden und Balkonbrüstungen und verbinden die Gebäude zu einem differenzierten Ganzen.
Das Programm umfasst einen breiten Wohnungsmix von Ein- bis Fünfzimmerwohnungen. Die sechszügige Kita öffnet sich zum Fritz-Encke-Park, Gewerbeeinheiten ergänzen die Wohnnutzung. Differenzierte Freiräume – Landschaftshöfe, Stadthof und ein baumbestandener Boulevard – bieten Raum für Spiel, Aufenthalt und Durchwegung. Das Projekt folgt dem Energiestandard KfW40 NH und der DGNB Gold-Zertifizierung, Photovoltaikanlagen auf den Dächern ergänzen das nachhaltige Konzept. Die Realisierung erfolgt in sechs Bauabschnitten; der erste wurde im März 2026 bezogen, die weiteren befinden sich in Umsetzung.
Auftraggeberin
Die Welle Köln Erste GmbH & Co. KG
Größe
84.500 m² BGF
Planung und Realisierung
2019–heute
Leistung
LPH 1–4 und künstlerische Oberleitung
Zusammenarbeit
Club L94 Landschaftsarchitekten
Link
Die Welle Köln
Fotocredit: ASTOC, EMPIRA
Visualisierung: 1. Abb. ASTOC, Luftbild, Innenhof moka-studio