August-Klingler-Areal Karlsruhe Daxlanden
Neubau eines Quartiers
Mit dem August-Klingler-Areal entsteht ein Wohnquartier mit Sinn für Gemeinschaft, das vielfältige Wohnformen und gesellschaftliche Infrastruktur bietet, mit 51 % geförderten Wohnungen.
Wie lässt sich bezahlbarer Wohnraum mit architektonischer Eigenständigkeit und städtebaulicher Einbindung verbinden – und zugleich ein Quartier schaffen, das echte Nachbarschaft ermöglicht? Das August-Klingler-Areal zeigt, dass Vielfalt und Gemeinschaft keine Gegensätze sind. Auf dem Gelände des ehemaligen August-Klingler-Stadions entsteht ein neues Stadtquartier, das den Karlsruher Westen stärkt: mit markanten Baukörpern, unterschiedlichen Wohnformen, wohnungsnahen Freiräumen und sozialer Infrastruktur. Zwischen gefördertem und freifinanziertem Wohnungsbau, jungen Familien und älteren Menschen, Spielplätzen und Tagespflege entsteht ein sozial durchmischtes, lebendiges Umfeld.
In Zeiten zurückhaltender Bautätigkeit steht das Projekt exemplarisch dafür, wie mit klarer Haltung, robustem Konzept und hoher Ausführungsqualität zukunftsfähige Stadträume entstehen können – mit Mehrwert für alle Generationen.
Auf dem rund 3,5 Hektar großen Gelände sind sieben Gebäude mit fünf bis acht Geschossen entstanden. Drei Grundrisstypen – einfach oder doppelt geknickt – bilden das modulare Grundgerüst und ermöglichen eine flexible Anpassung an Belichtung, Orientierung und Nutzung. Die markante Geometrie prägt den Charakter des Quartiers und schafft zugleich eine klare Typenlogik, die Planung und Bau wirtschaftlich macht.
Das Areal wird von einer Stadtbahntrasse in zwei Teilbereiche geteilt, die Haltestelle liegt zentral im Quartier – in zwölf Minuten erreicht man das Stadtzentrum. Beide Seiten sind durch Wege- und Freiraumbeziehungen miteinander verbunden. Drei beziehungsweise vier Baukörper fassen jeweils einen grünen Innenhof, von dem aus die Gebäude erschlossen werden. Diese Höfe sind Begegnungs-, Aufenthalts- und Spielzonen mit hoher sozialer Qualität. Die Zugänge sind als kleine Eingangsplätze gestaltet und stärken die Adressbildung. Geparkt wird am Rand oder in Tiefgaragen – der Freiraum bleibt den Menschen vorbehalten.
Das Umfeld ist städtebaulich heterogen; gestaffelte Höhen und differenzierte Kubaturen vermitteln sensibel zu Einfamilienhäusern und bestehenden Wohnbauten. Mit 357 Wohnungen – davon 51 % öffentlich gefördert – leistet das Projekt einen substanziellen Beitrag zur Versorgung mit bezahlbarem Wohnraum. Ergänzend entstehen 1.900 m² für Kita, Tagespflege, Gewerbe, Gastronomie und ein Servicebüro. Ein denkmalgeschütztes Vereinsheim bleibt erhalten und wird in die neue Struktur integriert – als identitätsstiftendes Element und Erinnerung an die Geschichte des Ortes. Lärmschutzmaßnahmen entlang der B36 wurden frühzeitig in die Planung integriert. Trotz komplexer Geometrie und hoher Anforderungen bleibt die Lösung wirtschaftlich und präzise realisierbar – dank modularer Logik, wiederkehrender Grundrisse und effizienter Abläufe.
Das Projekt ist das Ergebnis eines interdisziplinären Realisierungswettbewerbs (1. Preis) und wurde in enger Abstimmung mit der Stadt, der Volkswohnung GmbH und den beteiligten Fachplanern weiterentwickelt. ASTOC verantwortet die Fortschreibung des städtebaulichen Konzepts sowie die Objektplanung bis zur Ausführung. In einem schwierigen Marktumfeld ist die Realisierung ein wichtiges Signal: Bezahlbarer und qualitätsvoller Wohnungsbau bleibt möglich – wenn Haltung, Typologie und Wirtschaftlichkeit konsequent zusammengedacht werden.
Das August-Klingler-Areal steht exemplarisch für unsere Arbeit an urbanen Wohnquartieren: Wettbewerbsgewinn, integrale Planung, Realisierung bis zur Übergabe. Ziel war eine städtebaulich robuste und identitätsstiftende Figur, die Maßstäblichkeit, soziale Mischung und architektonische Qualität vereint – ohne ökonomische Zwänge auszublenden. Das Projekt zeigt, wie klare Typologien und durchdachte Freiraumstrukturen lebendige Nachbarschaften schaffen – als Beitrag zu einer nachhaltigen, inklusiven Stadtentwicklung.
Auftraggeberin
Volkswohnung GmbH, Karlsruhe
Größe
rd. 3,5 ha, 28.200 m² BGF
Planungs und Realisierung
2015–2025
Leistung
Realisierungswettbewerb 1. Platz, städtebaulicher Rahmenplan, Bebauungsplan,
Objektplanung LPH 1–8
Zusammenarbeit
H+P Projektplanung, Aachen
Fotocredit: Luftbilder Jeff Mirkes, Visualisierungen, ASTOC