Hochhaus WankdorfCity II Bern
Neubau mit Mischnutzung am Bahnhof Wankdorf
Mit Gastronomie, Büros und Appartements auf 16 Etagen zeigt das Hochhaus in der WankdorfCity, wie urbane Nutzungsmischung auf kompakter Grundfläche gelingt.
Mit dem Rückbau eines ehemaligen Schlachthofs im Berner Stadtteil Wankdorf wurden die Voraussetzungen für die Entwicklung eines neuen Stadt- und Dienstleistungsquartiers entlang der schweizerischen Hauptbahntrasse zwischen Zürich und Bern geschaffen. Die Entwicklung der WankdorfCity schafft dringend benötigte Flächen für die Erweiterung der Stadt Bern zwischen Autobahn und Bahnlinie – eine Lage, die gleichermaßen gut angebunden und durch Emissionen belastet ist. Städtebau und Architektur verlangen ein hohes Maß an Robustheit, um Qualität, Dauerhaftigkeit und Nutzungsoffenheit zu sichern.
Der Masterplan zeigt eine für Bern eher untypische, großmaßstäbliche Struktur auf einem verhältnismäßig kleinen Areal. Urbanität entsteht jedoch nicht nur durch gute Anbindungen und eine Mischung aus Wohnen und Arbeiten, sondern auch durch städtebauliche Tiefe. Das neue Quartier bietet neben einem zentralen, städtischen Platz und einer klaren Orientierungsachse auch eine zweite Reihe zum Entdecken von alternativen Wegeverbindungen und kleinen Orten.
Gemeinsam mit dem benachbarten Wohnhaus für Studierende und Lernende und dem Hotel bildet das Hochhaus ein Ensemble im Zentrum des neuen Stadtteils. Der Entwurf nutzt die gegebenen Möglichkeiten des Masterplans und lässt den Hochpunkt „einen Schritt vortreten“. Dieser löst sich vom Langhaus, tritt auf den Platz und schafft damit eine zweite Reihe in der Tiefe des Quartiers.
Mit dem Hochhaus erhält die WankdorfCity einen städtebaulichen Hochpunkt direkt am Rosalia-Wenger-Platz mit Nutzungen vom Gastronomiebetrieb über Büros bis zu Appartements. Durch seine prominente Setzung an der Wankdorfallee und seine robuste architektonische Ausformung wird es zum Zeichen für die neue Identität des Quartiers.
Mit 54 Metern Höhe bildet das Hochhaus den Hochpunkt des Areals. Es ist aus der Fassadenflucht der Wankdorfallee leicht nach vorn versetzt: ein bewusster städtebaulicher Schritt in den Platz hinein. Durch dieses Vorrücken ist das Gebäude erster Anlaufpunkt in der WankdorfCity, egal ob man fußläufig über die Magistrale oder vom gegenüberliegenden Bahnhof kommt. Gleichzeitig schafft die Setzung Abstand zum benachbarten Wohnhaus und öffnet Raum für den öffentlichen Platz.
Das Tragwerk – ein kompakter Erschließungskern kombiniert mit einer außenliegenden Stützenstruktur – ermöglicht nicht nur flexible Grundrisskonfigurationen, sondern auch wandelbare Nutzungsverteilungen. Im Erdgeschoss öffnet sich eine Gastronomie mit Kolonnadenzone zum Platz: eine öffentliche, belebte Schnittstelle zwischen Gebäude und Stadtraum. Darüber liegen vier Bürogeschosse, gefolgt von zehn Etagen mit short- und long-stay-Appartements.
Die modulare Struktur erlaubt es, das Verhältnis von Büro- zu Wohnnutzung künftig an Marktentwicklungen anzupassen. Die Einheiten variieren in Größe und Zuschnitt und bieten Raum für unterschiedliche Lebens- und Arbeitsformen. Mit der städtebaulichen Setzung, der konstruktiven Klarheit und der robusten Materialität ist das Hochhaus ein zukunftsfähiger und flexibler Stadtbaustein.
Von der erfolgreichen Wettbewerbsstrategie bis zur Umsetzung in der Objektplanung: Das Hochhaus der Wankdorf City mit seiner nutzungsneutralen Gebäudekonzeption in einer städtebaulich eher rauen Umgebung schafft auf kleinem Raum und mit schlichten Setzungen Möglichkeiten der urbanen Mischung, heute und für zukünftige Nutzungen.
Auftraggeberin
Losinger Marazzi SA/AG, Bern
Größe
rd. 14.800 m² BGF
Planung und Realisierung
2016–2019
Leistung
Wettbewerb 1. Platz, Objektplanung LPH 1–8
Zusammenarbeit
GWJ Architektur, Bern (CH)
Fotocredit: Damian Poffet