MesseCity Köln
Ein neuer Stadtbaustein am ICE-Bahnhof Deutz
Ankommen in Köln: Die Messecity formt ein neues Tor zu Messe und Stadt und empfiehlt sich mit Hotels, Gastronomie, Büros und öffentlichen Räumen mit Blick auf den Dom.
Stadtentwicklung ist immer auch eine Frage der Verbindungen – zwischen Orten, Nutzungen, Menschen und Maßstäben. Die MesseCity Köln demonstriert dies exemplarisch. In zentraler Lage von Köln-Deutz wurde ein städtebauliches Bindeglied geschaffen – zwischen dem ICE-Bahnhof Köln Messe/Deutz, dem neuen südlichen Haupteingang der Koelnmesse und dem angrenzenden Stadtviertel. Die Verlegung des Messeeingangs von der Ost- zur Südseite eröffnete eine neue städtebauliche Chance: den bislang wenig beachteten, schmalen Streifen zwischen Messegelände und Bahntrasse als eigenständigen Stadtbaustein zu entwickeln. Umgeben von Verkehrsachsen und Messebauten war hier die Herausforderung, eine robuste und zugleich lebendige Struktur zu schaffen, die während der Messen den Strom von Zehntausenden Besucher:innen aufnimmt – und darüber hinaus als gemischtes Stadtquartier funktioniert.
Wir waren zunächst mit der übergeordneten städtebaulichen Planung beauftragt. Auf dieser Grundlage und in enger Verzahnung mit dem Masterplan für die Koelnmesse entstand gemeinsam mit HPP Architekten das architektonische Gesamtkonzept. Der Messebalkon bildet dabei das räumliche und programmatische Zentrum – als Ort der Bewegung, Begegnung und Orientierung.
Seit 2016 entsteht auf 5,4 Hektar ein gemischt genutztes Quartier mit rund 135.000 m² BGF. Sechs Neubauten – fünf Bürogebäude, ein Hotelkomplex mit Gastronomie und Handel sowie zwei Tiefgaragen – formen eine klar gegliederte Struktur zwischen Messe und Bahn.
Der Entwurf basiert auf einer Blockrandtypologie mit vier sieben- bis zehngeschossigen Gebäuden und zwei Hochpunkten bis 60 Meter. Der zentrale Messebalkon verbindet die Adressen, schafft Blickbeziehungen zum Kölner Dom und gliedert den Freiraum zwischen Messehalle und Bahntrasse. Die Lage zwischen der Deutz-Mülheimer Straße im Osten, der erhöhten Bahnlinie im Süden und Westen sowie der Messe im Norden erfordert eine besondere städtebauliche Robustheit – gegenüber Emissionen ebenso wie im alltäglichen Betrieb. Während der Messe fungiert der Außenraum als hochfrequentierte Passage, außerhalb der Messezeiten als offener Stadtraum mit eigenem Leben. Der Nutzungsmix aus Büros, Hotels und Gastronomie sorgt dafür, dass das Quartier nicht in Wartestellung verfällt, sondern dauerhaft urban bleibt. Die differenzierte Baukörperstellung, das Spiel von vor- und zurückspringenden Fassaden und die wechselnde Gebäudehöhe verleihen dem Areal räumliche Tiefe und ermöglichen vielfältige Raumsequenzen – vom Messebalkon über die große Schautreppe bis zum Platz mit Blick auf Dom und Bahn.
Mit der Fertigstellung des letzten Gebäudes im Jahr 2026 werden auch die temporären Bauten entlang der Bahntrasse verschwinden – dann werden die freiräumlichen Qualitäten des Quartiers vollständig erlebbar sein.
Die MesseCity entfaltet ihre Qualität nicht nur im Städtebau, sondern auch in der architektonischen und typologischen Vielfalt der Gebäude – insbesondere im Westbereich, für dessen Objektplanung (ausgenommen Fassaden) die Arbeitsgemeinschaft ASTOC / HPP verantwortlich war.
Die drei Bürohäuser Millennium, Piccadilly und Saint-Lazare bilden gemeinsam die Deutschlandzentrale der Zurich Versicherung. Gläserne Stege vernetzen die Gebäude intern, flexible Grundrisse ermöglichen offene oder getrennte Nutzungseinheiten. Großzügige Raumtiefen, wirtschaftliche Raster und logisch geführte Erschließungskerne schaffen ideale Bedingungen für moderne Arbeitswelten. Auch Gastronomie – etwa im Erdgeschoss des Saint-Lazare – ist integriert und öffentlich zugänglich. Die Fassaden, entwickelt von KSP Engel und gmp, betonen die Eigenständigkeit jedes Hauses bei gleichzeitigem Ensemblecharakter. Mit dem Hotelkomplex Southern Cross ist ein klar gegliederter Baukörper an zentraler Stelle entstanden – direkt am Messebalkon. Motel One (308 Zimmer) und Adina Apartment Hotel (171 Studios) teilen sich das Haus. Wiederholbare Zimmermodule sichern Wirtschaftlichkeit; offene Erdgeschosszonen mit Lobby, Lounge und Gastronomie beleben das Umfeld. Ein vorgelagerter Platzraum bildet den Auftakt zum Quartierszentrum. Im Osten markieren das Centraal (60 m, KPMG) und das Rossio (Stadt Köln) den Übergang zur Großstruktur auf der anderen Gleisseite. So wird die MesseCity zu einer Scharnierfläche zwischen Bahn, Messe und Stadt – ein neuer, lebendiger Stadtraum zwischen Infrastruktur und urbaner Öffentlichkeit.
Mit der MesseCity Köln konnten wir unsere Kompetenz in der Entwicklung innerstädtischer Quartiere unter komplexen Rahmenbedingungen erneut unter Beweis stellen – von der städtebaulichen Planung über Flächenstudien bis zur Objektplanung einzelner Gebäude.
Besonders prägend ist die enge Verzahnung mit der unmittelbar angrenzenden Koelnmesse: Der von uns entwickelte Masterplan für das Messegelände bildet die Grundlage des Investitionsprogramms „Koelnmesse 3.0“. Im Zuge dessen planen wir – erneut mit HPP – die neue Unternehmenszentrale der Koelnmesse. Gemeinsam zeigen diese Projekte, wie sich aus komplexen Rahmenbedingungen tragfähige, integrierte Stadtbausteine entwickeln lassen – robust, offen und dauerhaft wirksam.
Auftraggeberin
MesseCity Köln GmbH & Co. KG
Größe
135.000 m² BGF, 5,4 ha
Planung und Realisierung
2011–2026
Leistung
Städtebaulicher Masterplan, Objektplanung LPH 1–4, LPH 5 Leitdetails
Zusammenarbeit
HPP Architekten, Düsseldorf
Fotocredit: Axel Hartmann