Lauffenmühle Lörrach

Transformation eines Industrieareals in ein klimaneutrales Gewerbegebiet in Holzbauweise

„Grundsätzlich ein Entwurf, der nicht nur für Lörrach, sondern aufgrund der hohen Ambitionen, die er tatsächlich erfüllt, auch für Deutschland wegweisend ist.“

(Zitat Preisgericht)

Die sorgfältige und sensible Transformation unserer Städte und ihrer Architekturen ist eine unserer wesentlichen Zukunftsaufgaben. Die Orte der Produktion bleiben dabei allerdings viel zu oft unbeachtet, obwohl ihr Potenzial enorm ist. Auf dem Areal der ehemaligen Lauffenmühle in Lörrach zeigt sich beispielhaft, wie ambitionierte und komplexe Transformationsaufgaben angegangen werden können.

Die Lauffenmühle ist wesentlicher Teil der kollektiven Fortschrittserzählung des Schwarzwaldes. Sie stand für die Transformation von der Agrar- und Waldwirtschaft zur prosperierenden Industriegesellschaft. Sie steht aber auch als räumliches Zeichen der Niedergangserzählung in der Epoche der Dienstleistungsgesellschaft. Wir wollen diese Erzählung in die digitale Wissensgesellschaft fortschreiben, und entwickeln den kontextspezifischen Prototyp der „Productive City“. Er bietet Raum für Einhörner und „the next big thing“, aber auch für den Schlosser aus Brombach. Unser übergeordnetes Ziel ist die Schaffung einer Grundstruktur, die eine positive Zukunftserzählung ermöglicht. Innovation, Digitalisierung und ein Quartier im Rahmen der planetaren Grenzen sind die Grundbausteine dieser Erzählung. Die Lage an der Schnittstelle zwischen dem Natur- und Ressourcenraum Schwarzwald und den Innovationsräumen Basel und des Rheintals bieten die besten strategischen Grundlagen für die Mühlen von übermorgen – Deutschlands erstes klimaneutrales Gewerbegebiet.

Aus ökologischen und kulturgeschichtlichen Gründen werden die Bestandstrukturen so umfassend wie möglich erhalten. Die versiegelten Flächen bilden das Grundgerüst der Infrastruktur. Die vitalen Böden bleiben bestehen und bilden das grüne Rückgrat des Bebauungsvorschlags. Die existierenden Tragstrukturen werden berücksichtigt und im Bereich der Neubebauung ergänzt. Sie bilden die Basis für die neuen Mühlen.

Auf dieser Basis schlagen wir als strukturgebendes Element einen Infrastrukturloop vor, der mit Hilfe der existierenden Erschließungsflächen das Rückgrat der Neuen Mühlen bildet. Von ihm aus werden alle Parzellen effizient erschlossen. Die existierenden Tragstrukturen, auf deren Basis sich ein effizientes Holzbauraster entwickeln lässt, können erhalten oder zu neuen Gebäuden überformt werden. Auch die Gebäude mit neuer Tragstruktur folgen dem prägnanten Raster. Definiert durch Bestandstruktur und Lage bilden sich Zonen, die ganz unterschiedliche Angebote für die Nutzer bereithalten. Jeder Nutzer kann sich je nach Bedarf den Ort seiner „Mühle“ aussuchen. In der Mitte entsteht ein Zentraler Ort, der der Kommunikation und der Identitätsbildung dient. Hier ist nicht nur das soziale Zentrum, sondern auch der Ankunftsort für den Individualverkehr.

Lauffenmühle-Pixel
Holzbaupixel: Halle
Holzbaupixel: Cluster

Die Lauffenmühle bezieht ihre ikonografische Kraft vor allem aus dem strengen Grundraster und der seriellen Addition der archetypischen Sheddach-Industriehallenform. Wir begreifen das Grundraster als konstruktives, aber vor allem auch als kulturgeschichtliches Fundament der Lauffenmühle: den „Lauffenmühlepixel“. Diesen existierenden Basispixel passen wir transformativ an die zukünftigen Anforderungen an und schreiben die räumlich-strukturelle Geschichte des Ortes fort.

Der Holzbaupixel 1: Halle
Hallen funktionieren nach dem Loft-Prinzip, sie überspannen weite Distanzen linear mit Hilfe eng gestellter aufgelöster Träger. Sie können mehrgeschossig und mit Einbauten versehen sein. Die große Spannweite liegt jedoch immer im obersten Geschoss. Aufstockungen sind nur schwer möglich. Die Dächer sind mit aus wirtschaftlichen Gründen mit leichten PV-Elementen versehen. Der Lauffenmühle-Pixel bildet den Ausgangspunkt und wird dann in Spannweite vervielfacht und im Abstand halbiert.

Der Holzbaupixel 2: Cluster
Cluster eignen sich sowohl für Dienstleistungseinheiten, wie auch für dezentrale oder nicht-lineare Produktionsmodule, wie sie beispielsweise im Handwerk, der Industrie 4.0 oder dynamischen Smart-Factory Typologien geeignet sind. Sie können passgenau erweitert oder geschrumpft werden und erzeugen ein kleinteiliges und heterogenes räumliches Bild. Für große Maschinen und Produktionsstraßen sind sie nicht geeignet.

Auf dem breiten wie tiefen Fundament des Bestands entstehen aus der DNA der alten Lauffenmühle die „neuen Mühlen“, die eine große Zukunftsgeschichte des Wiesentals erzählen: „Lauffenmühle – next innovation“.

Auftraggeberin
Stadt Lörrach

Größe
rd. 9 ha

Planung
2023–heute

Leistung
Städtebaulich-freiraumplanerischer Realisierungswettbewerb, 1. Platz, Städtebaulicher Masterplan

Zusammenarbeit
Henning Larsen Architects,
Überlingen, merz kley partner, Karlsruhe

Fotocredit: ASTOC

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