Masterplan Emscher-Zukunft Metropole Ruhr
Strategisches Entwicklungskonzept
Die großmaßstäbliche Transformation der Infrastruktur löst eine umfassende Umgestaltung der Flusslandschaft aus. Entlang 85 Kilometer renaturierter Emscher entstehen Natur, neue Verbindungen und Siedlungsraum.
Die Emscher fließt im Ruhrgebiet durch 13 Städte, brachliegende Industriegebiete und malerische Kulturlandschaften bis sie nach rund 85 Kilometern in den Rhein mündet. Entlang des Flusslaufes mit 52 Nebenläufen leben rund 2,8 Millionen Menschen. Ehemals ein natürlicher Fluss, nutzten Gruben und Haushalte die Emscher mehr als 100 Jahre lang als begradigte Abwasserinne, die der Volksmund auch „Köttelbecke“ nannte. Startschuss der Umgestaltung des Emschergebiets war der Neubau eines 51 km langen, unterirdischen Abwasserkanals mit mehreren Pumpwerken, der die Landschaft seither komplett verwandelt hat. Das Emschergebiet ist heute eine mäandrierende Flusslandschaft mit Biotopen und attraktiven Orten zum Wohnen und Arbeiten. Ausgedehnte Rad- und Fußwanderwege erschließen den Landschaftsraum von der Quelle bei Holzwickede bis zur Mündung bei Dinslaken-Eppinghoven für Kunst, Kultur und Freizeit. Als grünes Rückgrat des Reviers verbindet die Flusslandschaft heute Ankerpunkte der Industriekultur, Landmarken, Kulturstätten, Veranstaltungszentren, Naherholungseinrichtungen und Sportanlagen, die immer nah beieinanderlagen und doch stadträumlich nicht verknüpft waren.


Der Emscher-Umbau stellt eine einmalige planerische und technische Herausforderung dar. Auf rund 85 km Länge kehrte mitten im größten Ballungsraum Europas ein Fluss zurück, der lange nur als offener Abwasserlauf existiert. Der Masterplan Emscher-Zukunft definiert Vision und Leitbild für die städtebauliche und landschaftliche Entwicklung des neuen Emschertals, leitet daraus ein konkretes planerisches und räumliches Bild ab und vermittelt gleichzeitig eine Transformationsstrategie. Als anpassungsfähige, flexibel agierende und reagierende Planungsplattform sorgte der Masterplan für einen tragfähigen Konsens zwischen allen Akteuren der Region und setzte Impulse für eine Vielzahl neuer Projekte. Der Masterplan Emscher-Zukunft ist eine baulich – räumliche Entwicklungsstrategie für das Ruhrgebiet und zugleich ein nachhaltiges Planungsinstrument, das zur Erhaltung, Umgestaltung und Verbesserung bestehender Strukturen entwickelt wurde.
Mehr als 200 Planungswerkstätten mit insgesamt 50 beteiligten Institutionen begleiteten einen Prozess, der den gesamten Laufkorridor der Emscher im Maßstab 1:10 000 analysierte und gleichzeitig im Dialog die Belange der Stakeholder einbezog. Ergebnis des Beteiligungsprozesses wurde von allen beteiligten Kommunen mit großer Mehrheit politisch beschlossen. Der Masterplan dient als Drehbuch für alle Akteure und ist als informelles Planwerk Grundlage des Planungsrechts und der Hochwasserschutzmaßnahmen der beteiligten Kommunen. Neben öffentlichen Investitionen von rund 4,5 Milliarden Euro hat der Masterplan zahlreiche private Projekte und Initiativen angestoßen. Neben ökologischen Vorhaben in Stadtentwicklung und Wasserwirtschaft entstanden im Zuge der Revitalisierung auch vielfältige Kultur- und Kunstprojekte, die große Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Darüber hinaus wurde das Projekt 2008 auf der 11. Internationalen Architekturbiennale in Venedig und 2009 auf der 8. Internationalen Architekturbiennale in São Paulo gezeigt.
Auftraggeberin
Emschergenossenschaft, Essen
Größe
4.000 ha
Planung und Realisierung
2003–2020
Leistung
Wettbewerb 1. Platz, Strategisches Entwicklungskonzept mit Teilkonzepten für Freiraumplanung, Städtebau, Ökologie und Wasserwirtschaft, Handlungskonzept, Gestaltungskonzept
Zusammenarbeit
RMP Landschaftsarchitekten,
Bonn, Landschaft Planen und Bauen, Berlin, Post und Welters, Dortmund
Auszeichnungen
Deutscher Landschaftsarchitekturpreis 2013, Sonderpreis Infrastruktur und Landschaft, Deutscher Städtebaupreis 2012, Sonderpreis, Best-Practice-Preis 2007 für Raumplanung und Stadtentwicklung, Anerkennung
Fotocredit: Jochen Tack, Alamy Stock Photo, Rupert Oberhaeuser, ASTOC, Roman Mensing romanmensing.de , Dennis Stratmann Photography