Masterplan Magistralen 2040+
Ein Masterplan für Hamburgs Hauptschlagadern
Stadteingang, erste Adresse, Quartierszentrum und zugleich Zäsur, Barriere und Transitraum. Wer das Wachstum der Stadt gestalten will, kommt an den Magistralen nicht vorbei.
Zwölf Magistralen quer durch alle Themen und Lagen der Stadt: An den großen Ein- und Ausfallstraßen, wo aktuell vor allem der Transport von Menschen und Waren im Mittelpunkt steht, eröffnen sich vielfältige Potenziale für die Stadtentwicklung. Mehr als 550.000 Menschen leben an oder in unmittelbarer Nähe einer Magistrale. 160 Kilometer Stadtraum erstrecken sich entlang der Magistralen, mehr als der Hälfte der Hauptverkehrsachsen hat ein Verkehrsaufkommen von mehr als 26.000 Fahrzeugen pro Tag, und 71 % der Magistralen sind heute schon hitzebelastet. Mit dem Internationalen Bauforum 2019, in dem in einer einwöchigen Planungswerkstatt internationale und interdisziplinäre Planungsteams Visionen für die Verkehrsadern und ihre Stadträume entwickelten, setzte die Stadt Hamburg einen ersten großen Impuls für die Magistralenentwicklung. Seitdem sind die Magistralen in den Fokus der Hamburger Stadtentwicklung gerückt.






Heterogene Stadträume an den Magistralen
Mit dem gesamtstädtischen Masterplan setzt sich Hamburg als erste Metropole mit der zukünftigen Rolle ihrer Magistralen auseinander. Der Masterplan Magistralen spannt einen Rahmen zwischen Metropolregion, Stadt und Quartieren. Auf gesamtstädtischer Ebene stellt er dar, welche Rolle jede Magistrale als Impulsgeber für innovative Stadtentwicklung spielen kann. Auf lokaler und städtebaulicher Ebene nimmt er die Perspektive der Menschen ein, die an den Magistralen leben und arbeiten. Der Masterplan Magistralen ist ein strategisches Planwerk, das Aufgaben und Anforderungen stadtweit zusammendenkt und gleichzeitig die Transformation konkreter Orte beschreibt, die unterschiedlicher kaum sein könnten.
Als Stadtraum zeichnen sich die Hamburger Magistralen durch eine starke Eigenlogik aus. Sie sind Hauptverkehrsstraßen und zugleich Orte zum Wohnen, Arbeiten und Leben. Sie sind dabei weniger als gestaltete, sondern vor allem als funktionale Räume zwischen Zentrum und Region prägend für die Struktur der Stadt. Durch vielseitige Flächenansprüche sind sie enormen Veränderungsdynamiken ausgesetzt. Ein wesentlicher Antrieb für die Zukunftsentwicklung der Magistralen ist die Überzeugung, dass hier bisher unentdeckte Lebensqualitäten mitten in der Stadt entstehen können. Durch mehr Nutzungsvielfalt, attraktive öffentliche Freiräume mit hoher Aufenthaltsqualität, durch neue Angebote für unterschiedliche Wohnformen, Arbeitsplätze und gemeinschaftliche Treffpunkte. Zugleich bieten die Magistralen das Potenzial für die mobilitäts- und klimagerechte Umgestaltung der Straßenräume.
Durch das Schaffen von städtebaulichen und freiräumlichen Qualitäten werden die Magistralen zu „Visitenkarten“ der Stadt. Mit dem Masterplan werden vier strategische Entwicklungsziele formuliert, in thematischen Strategiekarten und ins Räumliche übersetzt und werden konkrete Zielvorstellungen im öffentlichen Raum visualisiert, die bei der Umsetzung der verschiedenen Aufgaben in den vielfältigen Räumen eine Hilfestellung bieten. Er dient als übergeordnete räumliche Strategie und Orientierungsrahmen für alle zukünftigen Planungen und Projekte an Magistralen.




Neun Raumtypen
Die Räume entlang der Magistralen sind vielseitig und erfordern übergeordnete Planungsansätze. Neun charakteristische Raumtypen stellen die städtebauliche und verkehrliche Vielfalt beispielhaft dar. Welche Veränderungen in diesen Räumen zukünftig möglich sind, stellen die prototypischen Zielbilder für jeden Raumtyp dar.
Der Masterplan Magistralen wurde in einem intensiven, zweijährigen Prozess kooperativ mit diversen Ressorts aus Fachbehörden und sieben Bezirksämtern erarbeitet. Eine Reihe von Workshops bot eine stabile Plattform für die Behörden und Bezirksämter, um wichtige Themen der Stadtentwicklung sowie die lokalen Anforderungen untereinander zu diskutieren und den Blick strategisch weit nach vorne zu richten. Den Herausforderungen entsprechend wurde das Konzept von einem interdisziplinären Planungsteam mit Expertise in strategischer Stadtentwicklung, Prozesssteuerung, Städtebau, Mobilität, Freiraum, Klimaanpassung und Ökonomie erarbeitet.
Die Magistralenentwicklung ist eine Generationenaufgabe. Besonders ist die thematische und maßstäbliche Bandbreite, mit der der Masterplan auf die komplexen Themen reagiert: Mit dem Zeithorizont 2040+ formuliert der Masterplan Ziele, enthält räumlich-strategische Aussagen (Wo gibt es Entwicklungspotenzial für verschiedene Funktionen?), qualitativ-gestalterische Zielbilder (Wie sollen die Magistralenräume in verschiedenen räumlichen Situationen zukünftig aussehen?) und Instrumente zur Umsetzung. In einem kooperativen Prozess konnte eine langfristige Lenkungsstruktur und eine noch engere Zusammenarbeit etabliert werden. Damit ist ein Rahmen geschaffen, in dem sich die Magistralen kurz-, mittel- und langfristig durch zahlreiche sich ergänzende Maßnahmen schrittweise weiterentwickeln.
Die Magistralen werden in den kommenden Jahren zur Arena für Zukunftsthemen für die nachhaltige Entwicklung Hamburgs – sei es als Reallabor der Mobilitätswende, Handlungsfeld für Klimaanpassung und Klimaschutz oder Raum für neue Formen städtischer Produktion.






Auftraggeberin
Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen, Hamburg
Größe
160 km Länge
Planung
2022–2026
Leistung
Strategischer Masterplan
Zusammenarbeit
urban catalyst, Berlin, ARGUS Stadt- und Verkehr, Hamburg, berchtoldkrass space&options, Karlsruhe
Fotocredit: Heterogene Stadträume an den Magistralen ASTOC, Grundlagen Visualisierungen André Feldewert
Visualisierungen: bloomimages