Quartier im Eickhof Hattingen

Sanierung, Aufstockung und Nachverdichtung einer Wohnsiedlung

Eine abgestimmte Sanierungsstrategie ermöglichte die Umsetzung von Nachverdichtung und Modernisierung im laufenden Wohnbetrieb. Heute zeigt sich das Quartier gestärkt mit neuen Wohn- und Freiraumqualitäten.

Wie kann ein Quartier mit gewachsenen Nachbarschaften und eigener Identität modernisiert werden, ohne seine Vertrautheit zu verlieren? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Erneuerung des Quartiers „Im Eickhof“ in Hattingen-Niederwenigern.

Das Weiterbauen wurde nicht als Bruch, sondern als Kontinuität verstanden: durch die Kombination aus Substanzbewahrung, Aufstockung und punktueller Ergänzung, und unter Berücksichtigung ökologischer, ökonomischer und sozialer Belange. Das Ergebnis ist ein Stadtbaustein, der den Bestand sichert und neue Perspektiven eröffnet.

Das Quartier „Im Eickhof“ umfasst Wohnbauten der 1950er- und 1960er-Jahre in Südhanglage in Hattingen-Niederwenigern. Ziel war es, das Ensemble zu erhalten, aufzuwerten und gleichzeitig zusätzlichen Wohnraum zu schaffen, ohne dabei die bestehende Nachbarschaft und soziale Gefüge zu verdrängen und den gewachsenen Charakter zu beschädigen.

Die Bestandsgebäude wurden umfassend saniert und energetisch ertüchtigt. Die Grundrisse wurden überarbeitet, indem kleinteilige Raumzuschnitte neu eingeteilt und moderne Bäder sowie offene Küchen realisiert wurden. Die bestehenden Loggien wurden teilweise zu Wohnraum umgewandelt. Neue Balkone sorgen für einen großzügigen Außenraumbezug.

_____ Neubau _ _ _ _ Sanierung

Zentrale Maßnahme war die Aufstockung der Häuser mit neuen Dachgeschossen, umgesetzt in leichter Holzkonstruktion. Diese ermöglichen vollwertige Wohneinheiten mit großzügigen Loggien zur Südseite und werten das Quartier in seinem Erscheinungsbild auf. Die Holzbauweise ermöglichte kurze Bauzeiten, geringe Emissionen und reduzierte Belastung für die Bewohner und Bewohnerinnen. Die asymmetrischen Satteldächer und die neue Fassadenbekleidung machen den baulichen Eingriff sichtbar. Ergänzt wird die Sanierung durch zwei Neubauten im östlichen Quartiersteil, die sich unaufdringlich in die Umgebung einfügen. In weiteren Bauabschnitten entstanden neben weiterem Wohnraum ein Neubau mit Kita und Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz, eine wichtige Entscheidung für die Zukunftsfähigkeit des Quartiers und seiner Bewohnerschaft.

Großen Wert legte die genossenschaftliche Auftraggeberin auf den Erhalt der Mieterschaft: ein Teil der Wohnungen ist öffentlich gefördert, viele Bewohner:innen konnten während der Bauarbeiten in ihren Wohnungen bleiben – durch sorgfältige Planung, kluge Logistik und den Einsatz vorgefertigter Bauteile. Die naturnahe Qualität der neuen Freiraumgestaltung mit Staudenpflanzungen, Wildblumenwiesen und dem weitgehenden Erhalt des alten Baumbestands unterstreicht das Prinzip des Weiterbauens unter Erhalt bestehender Qualitäten und macht die Freiräume nutzbar.

Die bauliche Transformation erfolgte bei laufender Bewohnung – jedoch nicht in den jeweils konkret sanierten Häusern. Dank eines begleitenden Umzugsmanagements konnten Mieter:innen in andere Gebäude innerhalb des Quartiers umziehen. So wurde es möglich, die Sanierung, Aufstockung und Nachverdichtung in bewohntem Umfeld zu gestalten. Anstelle eines großflächigen Abrisses wurde der Bestand erhalten, weiterentwickelt und ergänzt – ein ökologisch wie soziologisch zukunftsgerichteter Ansatz, der zeigt, dass bauliche Erneuerung und Quartiersidentität kein Widerspruch sein müssen und eine Entwicklung im Sinne der Bewohner:innen, der Nachbarschaft und des Klimaschutzes möglich ist.

Auftraggeberin
hwg eG, Hattingen

Größe
rd. 13.000 BGF, 143 neue Wohneinheiten

Planung und Realisierung
2015–bis heute

Leistung
Städtebauliche Studie, Objektplanung LPH 1–5 Neubau, LPH 1–4 Sanierung

Zusammenarbeit
Planergruppe Oberhausen

Auszeichnung
Nominierung Deutscher Bauherrenpreis 2022

Fotocredit: ASTOC

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