Wohnquartier Buchheimer Weg Köln

Neubau einer Nachkriegssiedlung

Mehr Platz auf gleicher Fläche: Zeitgemäße Grundrisse und belebte Grünflächen sorgen für eine deutliche Verwandlung des Quartiers, bei Erhalt der Mieterschaft.

Abriss oder Modernisierung? Die Kölner GAG Immobilien AG steht wie viele Wohnungsbauunternehmen bei vielen ihrer Siedlungen der 1950er Jahre vor dieser Frage. Schlechte Energiebilanzen, zu kleine Wohnungen und veraltete Grundrisse, unbelebte Grünräume und mangelnder Parkraum erforderten eine Entscheidung. Am Buchheimer Weg fiel diese zugunsten eines vollständigen Rückbaus, nicht zuletzt deshalb, weil energetische Sanierung und Umbau mit Blick auf Kosten, Qualität und soziale Ziele nicht tragfähig waren.

Ostheim ist ein Stadtteil von Köln im rechtsrheinischen Stadtbezirk Kalk. In den 1950er Jahren entstanden hier schnell und preiswert Häuser für Flüchtlinge, realisiert durch die GAG Immobilien AG. Fünfzig Jahre nach Fertigstellung waren die Gebäude der Siedlung in einem sehr schlechten Zustand. Sie energetisch zu ertüchtigen und zu sanieren wäre selbst mit den Fördergeldern, die man dafür hätte in Anspruch nehmen können, nicht rentabel gewesen. Erklärtes Ziel der GAG war es zudem, die Miethöhe und damit die Bewohnerinnen und Bewohner zu halten. Um die einzige Alternative, Abriss und Neubau, mit dieser Vorgabe stemmen zu können, sollte weder das Baurecht geändert noch die technische Infrastruktur neu angelegt werden – die Ausnutzung der Grundstücke musste hingegen gesteigert werden.

Lageplan der ehemaligen Siedlung
Lageplan der neuen Siedlung mit Freiraumstruktur

In drei Bauabschnitten entstanden 18 Neubauten, in der viele der früheren Mieter bei nahezu unverändertem Mietpreis wohnen bleiben konnten. Im Zentrum der Umgestaltung des Quartiers standen funktionierende Nachbarschaften und die Identifikation der Bewohnerinnen mit ihrer Siedlung. Die Zeilenbauten knüpfen mit ihrer Silhouette an die Tradition des vorherigen Siedlungsbaus mit viel Licht und Luft an. Gemeinschaftliche Grünflächen zwischen den markant in der Mitte geknickten Wohnriegeln schaffen vielgestaltige Erholungsräume. Die Gebäude rahmen als offene Winkel zudem großzügige Spielplätze und Mietergärten ein. Ein Mietercafé und eine Kita bereichern die barrierefreie Wohnanlage. Grüne Wegenetze werten das gesamte Quartier auf und beleben es.

Alle Wohnungen wurden im geförderten Wohnungsbau realisiert, in Größen von 42 bis 95 m², mit einem bis vier Zimmern. Der Neubau erhöhte insgesamt sowohl die Größe als auch die Anzahl der Wohnungen. Die Grundrisse sind auf flexible Nutzung ausgelegt: durch sogenannte Schaltzimmer in den Gebäudeköpfen lassen sich unterschiedliche Wohnungszuschnitte ohne bauliche Eingriffe realisieren. Insgesamt wurden 434 Wohnungen mit zeitgemäßen Grundrissen realisiert. Das Spektrum reicht von Ein-Zimmer-Apartments bis zu größeren Wohnungen für kinderreiche Familien. Ein Wohnheim für Menschen mit Behinderungen und eine Wohngruppe für Demenzkranke erweitern die Bewohnerschaft.

Die grundlegende Auseinandersetzung mit dem Siedlungsbau-Erbe der 1950er und 1960er Jahre ist und bleibt aktuell. Der Neubau der Siedlung am Buchheimer Weg und ihre breite Akzeptanz unter den Bewohnerinnen und Bewohner zeigen, dass sich mit dem baukulturellen Erbe der Nachkriegszeit verantwortungsvoll umgehen lässt. Das Projekt beweist: Auch ein kompletter Neubau kann Bestandsgedanken weiterentwickeln und nachbarschaftliche Kontinuität erzeugen.

Auftraggeberin
GAG Immobilien AG, Köln

Größe
rd. 51.600 BGF

Planung und Realisierung
2005–2012

Leistung
Mehrfachbeauftragung 1. Platz,
Objektplanung LPH 1–5, LPH 8 künstlerische Oberleitung

Zusammenarbeit
urbanegestalt, Köln

Auszeichnungen
Architekturpreis Nordrhein-Westfalen 2015, Kölner Architekturpreis 2014, Deutscher Städtebaupreis 2012, Modern Atlanta Prize for Green Dwelling 2012, Deutscher Bauherrenpreis 2011/2012: Sonderpreis für Freiraumgestaltung im Wohnungsbau

Fotocredit: Jens Willebrand, Christa Lachenmaier, Postkarte „Gruß aus Köln-Ostheim“ Verlag R. Korr

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