Magnum Areal Osnabrück

Transformation eines ehemaligen Industriestandorts in ein gemischtes Quartier

Vom Stahlwerk zum produktiven Quartier – das ehemalige MAGNUM-Areal wird zum zirkulären Stadtbaustein und schafft eine Symbiose von Produktion und Wohnen mitten in der Stadt.

Wie kann ein ehemals industriell geprägtes Areal im Herzen Osnabrücks zu einem urbanen, klimagerechten Quartier transformiert werden – und auch möglichst schnell umgesetzt werden?

Das MAGNUM-Areal liegt in direkter Nähe zur Innenstadt und besitzt noch einige Bestandsgebäude. Aufgabe ist es, ein gemischt genutztes Stadtquartier zu entwickeln, das diesen Bestand als Ressource versteht und Klimaschutz schon in der Quartiersplanung mitdenkt. Neue Konzepte des einfachen und zirkulären Bauens sollen hier zur Anwendung kommen, modulare und serielle Bauweisen sollen dem Erhalt des Ortscharakters nicht entgegenstehen. Außerdem werden neue städtebauliche und bauliche Typologien vorgesehen, die für eine starke Durchmischung von Nutzungen sorgen. Dabei wird die Wirtschaftlichkeit von Anfang an mitgedacht, so dass eine zügige Realisierung möglich wird.  Das Projekt stellt sich den bekannten Herausforderungen heutiger Stadtentwicklung: Transformation industrieller Konversionsflächen, Klimafolgenanpassung, soziale Durchmischung, produktive Stadt und ressourcenschonendes Bauen. Der formulierte Anspruch ist darüber hinaus, ein deutschlandweit sichtbares Modellquartier zu schaffen und eine Vorreiterrolle einzunehmen. Dazu sind vor allem neue und wirksame Umsetzungsstrategien gefragt.

Aus der Produktion in ein produktives Quartier

Das rund 15 ha große Areal liegt südöstlich der Osnabrücker Innenstadt in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof und ist Teil eines ehemaligen Industrieareals, das zur Fertigung und Bearbeitung großer Metallteile genutzt wurde.  Hier entstehen rund 1.000 neue Wohnungen in überwiegend Holz-Modul-Bauweise und innerstädtische gewerbliche Flächen für urbane Produktion. Als Stadtteil der kurzen Wege verbindet das MAGNUM-Areal Wohnnutzungen mit gewerblichen Nutzungen wie Büros, Produktion, Flächen für Start-Ups, Ateliers und Werkstätten, Kitas, zentralen Mobilitätshubs für ein weitestgehend autofreies Quartier und Freizeitnutzungen wie Sport, Kultur und Gastronomie. Die Freiraumstruktur verknüpft das Quartier dabei mit den vorhandenen Grünräumen der Stadt und schafft unterschiedliche neue Parktypologien, Aufenthalts-, Bewegungs- und Klimaräume. Ein einfaches, adaptives Grundraster sichert eine langfristige Entwicklungsfähigkeit und vielfältige Nutzungsmöglichkeiten. Die Adresse des Quartiers entsteht als belebter Erschließungs- und Begegnungsraum entlang einer durchlaufenden „Kontaktzone“.

Das Leitmotiv des städtebaulichen Entwurfs ist der produktive Umgang mit dem Bestand. Bestehende Hallen, Gebäude und selbst Kleinstrukturen werden als Ressource verstanden – zur Weiter- oder Umnutzung, zum Rückbau mit Wiederverwertung oder zur Integration in neue Raumgefüge. Das Herzstück des Quartiers ist die Transformation der zentralen Industriehalle zum Hallenpark. Durch die Öffnung und den Teilrückbau entsteht eine begehbare Raumskulptur, die Bestandsstruktur, Neubauvolumen, offene Plattformen, Photovoltaik-Module und Begrünung ermöglicht. Sie beherbergt Wohnbebauung, Ateliers und Werkstätten sowie einen Sport- und Gesundheitsbereich. Der Hallenpark zeigt, wie urbane Kreislaufwirtschaft, Energiegewinnung und soziale Infrastruktur räumlich und programmatisch verknüpft werden können und macht Nachhaltigkeit unmittelbar erlebbar.

Schnitt Ost-West
Systemschema (Re)produktives Quartier
Digitaler Zwilling (Ausschnitt)
Partizipativer Prozess vor Ort

Dem bewusst einfach und robust gehaltenen städtebaulichen Entwurf steht ein komplexer Prozess mit einem hohen Maß an Gleichzeitigkeit von verschiedenen Handlungssträngen gegenüber. Dazu gehören unter anderem die Fortschreibung der Rahmenplanung, die Baurechtschaffung und die Koordination zahlreicher Gutachten, die Unterstützung von Fördermittelakquirierung und die Ansiedlung innovativer privater Unternehmen. Alle zu treffenden Entscheidungen stehen immer auch auf dem Finanzierungsprüfstand und erfordern klare Entscheidungsgrundlagen.

Um dies strukturiert zu ermöglichen, wird der Planungsprozess von Anfang an mit dem Digitalen Zwilling als zentralem, dreidimensionalem Planungstool, Datenspeicher und Kommunikationsinstrument begleitet. Räumliche, ökologische, infrastrukturelle und ökonomische Szenarien werden in Testplanungen simuliert, so dass datenbasierte Entscheidungen getroffen werden können. Dabei werden die ESG-Kriterien für Nachhaltigkeit in Planung, Bau und Betrieb berücksichtigt, da das Quartier im System der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltigkeit eine Quartierszertifizierung in Platin anstrebt. Auch der reibungslose Austausch der vielen an der Planung und Baurechtschaffung beteiligten Akteure und Disziplinen (z. B. Städtebau, Freiraumplanung, Verkehrsplanung, Planungsrecht, Altlasten, Kampfmittelräumung, Artenschutz, Mikroklima, Regenwassermanagement, Energieplanung, Lärmschutz) wird über den digitalen Zwilling gewährleistet. Dieser enthält alle notwendigen Daten und ist damit Grundlage für Kommunikation, Planung und Fachgutachten, Zertifizierung bis hin zu Monitoring und Vermarktung. Mit der Nutzung des Digitalen Zwillings schon in den frühen Projektphasen werden dauerhafte und flexible Strukturen für die Quartiersentwicklung geschaffen, im räumlichen wie im prozessualen Sinn.

Das MAGNUM-Areal ist ein komplexes Reallabor im besten Sinne. Es eröffnet neue Spielräume in der städtebaulichen Umnutzung, verknüpft soziale und ökologische Ziele, schafft Identität durch den Bestand und denkt Kreislaufwirtschaft bis ins gebaute Detail. Seine Entwicklung markiert den Wandel von der linearen zur regenerativen Stadt. Es liefert Impulse weit über Osnabrück hinaus – als Modellquartier für resiliente, produktive, soziale und kreislauffähige Stadtentwicklung.

Auftraggeberin
GMH Real Estate Bessemerstraße GmbH

Größe
15,5 ha

Planung
2023–heute

Leistung
Städtebaulich-freiraumplanerischer Realisierungswettbewerb, 1. Platz, städtebaulicher Rahmenplan, digitales Quartiersmodell, Begleitung Bebauungsplanung

Zusammenarbeit
GREENBOX
Landschaftsarchitekten, Köln/Osnabrück
Evers & Partner Stadtplaner, Hamburg

Fotocredit: ASTOC. mik Museum Industriekultur Osnabrück

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