Køge Kyst
Vom Industriehafen zur Stadt am Meer
Die Geschichte des Hafens wird zum Fundament eines neuen Stadtteils
Køge steht vor einer für viele Hafenstädte grundlegenden Aufgabe: Ein ehemals industriell geprägtes Hafenareal soll Teil der Stadt werden und den Zugang zum Meer neu ordnen. Das 24 Hektar große Entwicklungsgebiet liegt unmittelbar zwischen historischem Stadtkern und Küste. Mit rund 300.000 m² Bruttogrundfläche entsteht Raum für etwa 4.000 Bewohner und 4.000 Arbeitsplätze.
Für ASTOC liegt die besondere Relevanz des Projekts in der Verbindung von Stadtumbau, Hafenentwicklung und gewachsener Stadtstruktur. Køge Kyst knüpft an Erfahrungen mit großmaßstäblichen Hafenentwicklungen wie der HafenCity Hamburg und weiteren internationalen Wettbewerbsbeiträgen an. Zugleich erfordert die unmittelbare Nachbarschaft zur Altstadt eine besondere Sensibilität: Der neue Stadtteil entwickelt eigene Qualitäten und führt zugleich Maßstab, Wegebeziehungen und Identität des bestehenden Køge weiter.


Die zentrale räumliche Aufgabe ist die Wiederannäherung von Stadt und Wasser. Die Bahntrasse entlang der Küste bildet heute eine markante Schwelle zwischen Altstadt und Hafen. Ihre Überwindung schafft die Voraussetzung für eine zusammenhängende Stadtstruktur und einen direkten Zugang zum Meer. Die Nähe zum Bahnhof und die rund 30-minütige Fahrzeit nach Kopenhagen schaffen zugleich gute Voraussetzungen für urbane Dichte und gemischte Nutzungen. Ausgangspunkt der Transformation sind die vorhandenen Qualitäten des Ortes. Hafenbauten, industrielle Spuren, der Fluss Køge, Hafenbecken und Küstenlandschaft werden als prägende Elemente der neuen Stadtstruktur weiterentwickelt. Sie halten die Geschichte des Ortes lesbar und bieten Anknüpfungspunkte für neue Nutzungen. Kultur und kreative Programme können sich dabei in den bestehenden Hafenräumen verankern, während neue Bebauung das Quartier schrittweise ergänzt.
Die Mischung aus Wohnen, Arbeiten, Kultur und Freizeit bildet die Grundlage für ein vielseitiges urbanes Gefüge. Unterschiedliche Programme überlagern sich, sprechen verschiedene Nutzergruppen an und ermöglichen eine Entwicklung in unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Öffentliche Räume verknüpfen die einzelnen Bausteine und führen das Stadtnetz vom historischen Zentrum über den Hafen bis an die Küste. Die besondere Qualität von Køge Kyst liegt dabei in der Verbindung von kompakter Stadt und offenem Landschaftsbezug. Urbane Dichte entsteht in unmittelbarer Nähe zum Wasser, während öffentliche Räume den Zugang zur Küste sichern. Der Hafen wird zur neuen Adresse der Stadt und zugleich zum Bindeglied zwischen Altstadt, Bahnhof und Meer. Aus innerstädtischer Nähe und regionaler Erreichbarkeit entsteht ein Stadtteil der kurzen Wege mit einer eigenständigen ortspezifischen Identität.
Auftraggeber
Køge Kyst P/S, Partnerschaft von Municipality of Køge und Realdania By & Byg
Größe
300.000 m² BGF, 24 ha
Planung
2010–2011
Leistung
Internationaler Wettbewerb 2. Platz
Zusammenarbeit
Studio Urban Catalyst, Berlin, MASU Landscape Planning, Kopenhagen, Cornelius+Vöge Architects, Roskilde, WSP Group, München, KOLLISION, Kopenhagen, WS Green Technologies, Stuttgart
Credits: ASTOC