Kraftwerk Neurath

Strukturkonzept für einen neuen Produktionsstandort im Rheinischen Revier

Aus einem energieschlachtschiff entsteht ein neuer produktiver Stadtbaustein im Landschaftsraum.

Der Kraftwerksstandort Neurath ist eine Schlüsselstelle des Strukturwandels im Rheinischen Revier. Auf rund 180 Hektar soll aus einer hochspezialisierten Energieanlage ein neuer gewerblich und industriell geprägter Standort entstehen. Die Fläche ist größer als die 157 Hektar große HafenCity Hamburg, liegt jedoch außerhalb geschlossener Siedlungsräume. Damit stellt sich eine grundsätzliche Frage: Wie entsteht aus technischer Großinfrastruktur eine neue, eigenständige Adresse im ländlich geprägten Landschaftsraum?

Für ASTOC knüpft Neurath unmittelbar an die Raumstrategie Rheinisches Revier 2038+ an. Dort wurden die Kraftwerksstandorte als zentrale Flächenressource für die wirtschaftliche Transformation der Region identifiziert. Neurath übersetzt diese regionale Perspektive auf die konkrete Maßstabsebene eines einzelnen Standorts. Aus übergeordneten Zielen zu Produktion, Mobilität, Energie und Landschaft wird eine räumliche Struktur, die langfristige Entwicklung ermöglicht.

Die Dimension des Areals verändert dabei die planerische Aufgabe. Hier entsteht eine Art produktive Stadt mit eigenen Adressen, Infrastrukturen, Freiräumen und sehr unterschiedlichen Grundstücksgrößen. Die Bandbreite der Nutzergrößen von S bis XL wird dabei selbst zum Standortfaktor. Kleine und mittlere Betriebe sollen ebenso Platz finden wie großflächige industrielle oder energieintensive Ansiedlungen. Die Anbindung an Höchstspannungsnetz und Werksbahn eröffnet zusätzlich Spielräume für Rechenzentren sowie neue Formen der Energieerzeugung und Speicherung. Entscheidend ist, dass diese unterschiedlichen Größen innerhalb eines gemeinsamen räumlichen Systems wachsen, sich zusammenschließen oder verändern können.

Das FLEX FIX Prinzip übersetzt diese Bandbreite in eine robuste räumliche Ordnung. Der Grüne Parkway bildet das Rückgrat und organisiert Erschließung, Landschaft, Regenwassermanagement, Slow Mobility und die gemeinsame Schauseite des Standorts. Dahinter können Grundstücke unterschiedlicher Tiefe und Körnung gebildet, zusammengelegt oder schrittweise entwickelt werden. So wird die Offenheit für Nutzer von S bis XL nicht zum Nebeneinander einzelner Flächen, sondern zu einem lesbaren Standort mit gemeinsamer Adresse. Eine besondere Rolle spielen die vorhandenen Großstrukturen. Kraftwerke dieser Dimension sind Betriebsanlagen und zugleich weithin sichtbare Monumente im offenen Landschaftsraum. Mit ihrer Transformation verändern sich deshalb zugleich Orientierung, Identität und Erinnerung einer ganzen Region. Ausgewählte Relikte können diese Geschichte weitertragen und zugleich neue Aufgaben übernehmen. Der ehemalige Kohlebunker kann beispielsweise Regenwasser aufnehmen und als öffentlich erlebbarer Ort Teil der neuen Landschaftsstruktur werden. Auch die Werksgleise bleiben als infrastrukturelle Ressource und als Spur der industriellen Vergangenheit wirksam.

Gerade in dieser Verbindung liegt die Chance von Neurath. Technische Infrastruktur, Landschaft und bauliche Relikte bilden gemeinsam das Gerüst der Transformation. Der Standort kann dadurch eine neue wirtschaftliche Funktion übernehmen und seine Herkunft räumlich lesbar halten. Neurath konkretisiert damit eine zentrale Aufgabe des Rheinischen Reviers: Aus großmaßstäblichen Energiestandorten müssen neue produktive Räume mit eigener Identität entstehen. Entscheidend ist die Fähigkeit der Struktur, Veränderungen über Jahrzehnte aufzunehmen. Der Parkway, die flexible Parzellierung und die weitergenutzten Relikte schaffen dafür einen Zusammenhang zwischen regionaler Transformation und lokaler räumlicher Qualität.

Auftraggeberin
Perspektive.Struktur.Wandel GmbH

Größe
181 ha

Planung
2024

Leistung
Strukturkonzept

Zusammenarbeit
Gemeinde Rommerskirchen, Stadt Grevenbroich, Perspektive.Struktur.Wandel, Bergheim

Credits: (1–8) ASTOC, Video: NRW.Global Business

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