Frankfurt Flughafen Vorfahrt Terminal 1
Masterplan für einen intermodalen Ankunftsort
Ein Flughafen beginnt am Ort des Ankommens, wo Verkehr, Orientierung und Repräsentation räumlich zusammenfinden.
Die Vorfahrt von Terminal 1 ist einer der dichtesten und komplexesten Verkehrsräume am am Flughafen Frankfurt. Auf rund zehn Hektar überlagern sich Fußverkehr, Taxi, Kiss-and-Fly, Regional- und Fernbusse sowie die Zugänge zu S-Bahn, Regional- und Fernverkehr. Gleichzeitig bildet dieser Bereich für viele Reisende den ersten und letzten räumlichen Eindruck des Flughafens. Mit wachsendem Passagieraufkommen steigen deshalb die Anforderungen an Kapazität, Logistik, Orientierung und Aufenthaltsqualität. Der Zugang wird damit zugleich Verkehrsanlage, Ankunftsort und räumliches Aushängeschild.





Für ASTOC liegt die Relevanz in der Verbindung von Mobilitätsplanung und öffentlichem Raum. Über Jahrzehnte gewachsene technische Systeme erzeugen komplexe räumliche Abhängigkeiten auf mehreren Ebenen. Die Aufgabe besteht darin, diese Ströme leistungsfähig zu organisieren und zugleich zu einem lesbaren räumlichen Zusammenhang zu verdichten. Am Terminal 1 wird Mobilitätsinfrastruktur damit selbst zur städtebaulichen Aufgabe und zur repräsentativen Schnittstelle des Flughafens. Der Ort muss hohe Frequenzen aufnehmen und zugleich eine klare räumliche Orientierung ermöglichen.
Der Entwurf ordnet einen mehrstufigen, multimodalen Verkehrsknoten neu und konzentriert die Fußgängerströme in einem zentralen Ankunftsraum. Dieser Bereich vermittelt zwischen Terminal, Fern- und Regionalbahnhof, Busverkehr sowie Taxi und privaten Bring- und Abholverkehren. Die unterschiedlichen Bewegungen erhalten eine klare räumliche Hierarchie. Orientierung entsteht damit aus Wegeführung, Sichtbeziehungen und räumlicher Organisation.
Gerade unter den Bedingungen des Flughafens wird Freiraum zu einer technischen und zugleich architektonischen Ressource. Platz ist an diesem Standort knapp und jede zusätzliche Fläche steht in Konkurrenz zu betrieblichen und verkehrlichen Anforderungen. Grün, Aufenthalt und Übersichtlichkeit müssen deshalb mit Verkehrsführung, Sicherheit und Logistik zusammengedacht werden. Der zentrale Ankunftsraum verbindet diese Anforderungen zu einer gemeinsamen räumlichen Figur und gibt dem Zugang zum Terminal eine erkennbare Adresse.
Die besondere Qualität liegt in der dreidimensionalen Organisation. Unterschiedliche Verkehrsträger, Ebenen und Wegebeziehungen treffen auf engem Raum aufeinander und bleiben dabei intuitiv verständlich. Die Vorfahrt wird als räumliches System aus Ankommen, Umsteigen, Verteilen und Weiterreisen lesbar. Gestaltung übernimmt dabei eine orientierende Funktion und wird Bestandteil der betrieblichen Leistungsfähigkeit. Mit 34.200 m² BGF verbindet der Entwurf Verkehrsorganisation und Repräsentation in einer übergreifenden Struktur. Die Vorfahrt wird zur Bühne des Flughafens und zugleich zum leistungsfähigen Verteiler. Gerade an hochfrequentierten Orten entscheidet räumliche Ordnung darüber, ob komplexe Mobilität verständlich, sicher und selbstverständlich nutzbar wird.
Diese Fragestellung reicht weit über den Flughafen hinaus. Auch Bahnhöfe, Messegelände, große Sportstätten und Veranstaltungsorte führen unterschiedliche Verkehrsmittel, Besucherströme und Sicherheitsanforderungen auf begrenzter Fläche zusammen. Die Vorfahrt am Flughafen Frankfurt zeigt, wie daraus ein Stadtraum der Mobilität entstehen kann. Seine Qualität bemisst sich daran, wie präzise Technik, Bewegung, Orientierung und Repräsentation räumlich miteinander verbunden werden.
Auftraggeberin
Fraport AG
Größe
34.200 m² BGF, 10 ha
Planung und Realisierung
2011
Leistung
Internationaler Wettbewerb, Finalist,
2. Platz
Zusammenarbeit
ARGUS Stadt und Verkehr, Hamburg
Credits: ASTOC