Wirtschafts- und Versorgungszentrum Porta Bern

Neubau Logistikgebäude und Versorgungszentrum für ein Großklinikum

Der kleinste Baubereich des Campus trägt die logistische Verantwortung für das gesamte Areal.

Auf einem dicht bebauten Spitalcampus entscheidet die Platzierung der Versorgungsinfrastruktur über die operative Leistungsfähigkeit des gesamten Betriebs. Baubereich 04 besetzt auf dem Inselareal das kleinste Baufeld und übernimmt zugleich die logistisch zentralste Aufgabe: Alle eingehenden Güter treffen hier ein, Zentralapotheke und Küche verarbeiten sie und stellen das Ergebnis dem gesamten Campus zur Verfügung.

Die Komplexität liegt in der programmatischen Dichte auf einem dreieckigen, in Hanglage zwischen historisch wertvollen Bestandsgebäuden und zwei Pocket-Parks gelegenen Grundstück. Hochfrequenzlogistik, Pharmaproduktion, Gastronomie und Konferenzbetrieb müssen in einem einzigen Volumen vereint werden. Diese Kombination stellt an Architektur und Gebäudetechnik gleichermaßen außergewöhnliche Anforderungen.

Als Wettbewerbsbeitrag steht „Porta“ für ASTOCs Kompetenz, infrastrukturelle Typologien mit einem historisch geprägten Campuskontext zu verbinden.

Mit rund 11.000 m² Bruttogeschossfläche schöpft der Entwurf die Arealkontur auf dem Baufeld weitgehend aus. Eine leichte Schrägstellung der Nordostecke stellt das angrenzende historische Gebäude frei, öffnet den Zugang ins Innere des Campus und präzisiert den Übergang zum öffentlichen Straßenraum. Der Anlieferhof ist integraler Bestandteil des logistischen Ablaufs: Die Geometrie ermöglicht Wendemanöver für Lieferfahrzeuge, Kurzparkzonen für Kleintransporter und eine sichere Trennung von Personen- und Fahrzeugverkehr.

Die Hanglage erzeugt je nach Betrachtungsseite vier bis fünf Untergeschosse. Der Entwurf übersetzt diesen topografischen Sprung direkt in die Erschließungsstrategie: Die Anlieferung liegt auf Straßenniveau, der Haupteingang öffnet sich auf der gegenüberliegenden Seite zum erhöhten Campusniveau, und die unterste Ebene bindet das Gebäude an das unterirdische Tunnelsystem des Inselareals an. Diese drei Adressierungen auf unterschiedlichen Niveaus ermöglichen eine klare Trennung von Logistik-, Personal- und Besucherströmen.

Zwei unabhängige Erschließungskerne mit Warenliften bedienen alle Geschosse: Der östliche Kern übernimmt die Personenerschließung, der westliche die Versorgung von Küche und Pharmaproduktion. Ein weit gespanntes Tragwerk überspannt den stützenfreien Anlieferungsbereich und leitet seine Geometrie aus den Trauf- und Firstkanten der historischen Nachbarbebauung ab. Eine einheitliche Geschosshöhe von 4,50 m sowie ein Stützenraster von 9,60 auf 7,20 m sichern die langfristige Umnutzungsflexibilität des Gebäudes.

Das weit gespannte Tragwerk, das den stützenfreien Anlieferungsbereich überspannt, ist zugleich gestaltendes Element der gesamten Gebäudehülle. Als expressives Rautenfachwerk aus Betonfertigteilen umfasst es alle vier Fassaden und übersetzt eine konstruktive Notwendigkeit in einen architektonischen Dialog mit dem historischen Campusbestand. Die Fassade gliedert sich in drei klar lesbare Zonen: einen massiven Betonsockel, das Rautenfachwerk über die unteren Geschosse sowie eine mit Aluminiumlamellen belegte Hülle für die oberen Büro- und Apothekengeschosse, die zugleich den außenliegenden Sonnenschutz übernimmt. Das Technikgeschoss schließt mit in die Fassade integrierten Photovoltaikmodulen ab, deren Ertrag direkt im Gebäude genutzt wird.

Porta zeigt, wie logistische Infrastruktur auf einem dicht bebauten Spitalcampus Betriebseffizienz und räumliche Qualität verbinden kann. Die Bündelung kritischer Versorgungsfunktionen mit öffentlich nutzbaren Bereichen in einem Gebäude begründet einen Typus, der über den spezifischen Campuskontext hinaus übertragbar ist. Die strukturelle Grundlage aus einheitlichen Geschosshöhen, flexiblem Achsraster und getrennten Erschließungslogiken ermöglicht künftige Anpassungen ohne Eingriffe in die Tragstruktur. Die Nachhaltigkeitsstrategie verbindet ressourcenschonende Erstellung mit langfristigem Betriebskomfort: Recyclingbeton mit bis zu 60 Prozent Schlackensand reduziert die graue Energie der Tragstruktur um 25 bis 30 Prozent, das extensiv begrünte Dach wirkt als fünfte Fassade mit klimaregulativer Wirkung für das gesamte Areal.

Auftraggeberin
Universitätsspital Bern (CH)

Größe
rd. 11.000 m² BGF

Planung
2020

Leistung
Planungswettbewerb

Zusammenarbeit
GWJ Architektur, Bern (CH), IAAG Architekten, Bern (CH), Archipel Generalplanung AG, Bern (CH)

Credits: XXXXXXXXX

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