Masterplan BER 2040
Strategische Flughafenentwicklungsplanung und städtebauliche Vertiefung Midfield Gardens
Von der Verkehrsinfrastruktur zum wirtschaftlichen Motor im Berliner Süden: Mit der Entwicklung des BER verschieben sich die Schwerpunkte der Stadtentwicklung hin zu einem dynamischen Gravitationszentrum rund um den Flughafen und die zukünftige Airport City.
Große Flughäfen sind weit mehr als reine Verkehrsknotenpunkte. Durch ihre Lage und Bedeutung im internationalen Mobilitätsnetz tragen sie zum globalen Bruttoinlandsprodukt bei. Damit erzeugen sie umfassende Wertschöpfung – direkt, indirekt und induziert. Flughäfen transformieren sich zu „Städten im Kleinen“ und wandeln sich zu urbanen Zentren – mit Büros, Wohnen, Freizeit, Hotels und Logistik‑Zonen, eingebettet in gut gestaltete Freiräume. Der Anteil der sogenannten „non‑aeronautischen“ Umsätze wird wichtiger. Das bietet neue Einnahmequellen, aber erfordert auch strategische Planung und Partnerschaften.
Laut Prognosen werden im Jahr 2040 rund 55 Millionen Fluggäste den BER jährlich nutzen. Das macht ihn zu einem wertvollen städtischen Entwicklungsfeld und wirtschaftlichem Motor für die Region. Der BER wird sich zu einem zentralen Wirtschaftsfaktor in der Hauptstadtregion entwickeln, der neben flughafenaffinen Unternehmen auch verstärkt zu einer Ansiedlung von Unternehmen führen wird, die in erster Linie von der Verkehrsinfrastruktur und dem Flächenangebot profitieren werden. Im Jahr 2040 soll die sogenannte Airport City mit Geschäftshäusern, Handel, Hotels und Kongresszentren die zentrale Zufahrt zum Flughafen Berlin Brandenburg (BER) flankieren.
Der Masterplan BER 2040 basiert auf einer Analyse des Flughafenumfelds und einer Standortsuche für ein zweites Terminalgebäude. Für den Planungshorizont von 2023 bis 2040 entstanden daraus eine umfassende wirtschaftliche Entwicklungsstrategie und ein räumlicher Masterplaner . Die wirtschaftliche Entwicklungsstrategie betrachtet das gesamte Gelände und analysiert das Entwicklungspotenzial aller vorhandenen Grundstücksflächen. Beispielsweise bereitet sie die Nachnutzung des ehemaligen Terminals Schönefeld und des zukünftigen Regierungsterminals im Norden vor und optimiert die Fracht- und Logistikflächen jenseits der angrenzenden Autobahn A113.
Der Masterplan BER 2040 ergänzt das vorhandene Terminal 1 durch weitere Terminals und bettet die Airport-City mit öffentlichen Räumen, Büro- und gewerblichen Nutzungen ein. Er betrachtet die luft- und landseitige Standortentwicklung des Flughafens und seines Umfelds und verfolgt zwei Ziele: Einerseits die räumliche Ausarbeitung für die Kapazitätserweiterung aufgrund des wachsenden Passagieraufkommens. Diese schließt den Ausbau der landseitigen Erschließung auf Straße und Schiene, die Abfertigungskapazitäten in bestehenden und zukünftigen Terminals sowie die luftseitigen Kapazitäten auf den Vorfeldern ein. Andererseits die Planung einer Airport-City entlang der Hauptzufahrt, welche die besondere Lagegunst mit einer Mischung aus Büro- und Gewerbeimmobilien, eingebettet in gestaltete Freiräume, in einen lebendigen Immobilienstandort verwandelt.
Der städtebauliche Masterplan entwickelt eine städtebauliche Vision für die Airport-City. Ausgehend vom Maßstab 1:10.000 wurden Grundstücke bis hin zum Maßstab 1:1.000 und 1:500 detailliert betrachtet. 400.000 Quadratmeter neue Fläche schaffen mit einer stadttypischen Höhenentwicklung und einer vielfältigen Nutzungsmischung einen urbanen Stadtraum in fußläufiger Entfernung zum Terminal. Ein grüner, fußgängerfreundlicher Boulevard bildet das Herz und Adresse der zukünftigen Airport-City am BER. Entlang dieses Rückgrats gruppieren sich vielfältige Nutzungen und einzeln ablesbare Stadtbausteine. Nutzungen im Erdgeschoss beleben den öffentlichen Raum und bereichern das städtische Ambiente. Ein Zusammenspiel von robusten Grundstrukturen und markanten Gebäuden schafft ein abwechslungsreiches Stadtbild und verleiht dem Stadtteil eine menschliche Dimension.
Entwicklungsstrategien für Flughäfen müssen aufgrund ihres Potentials als wirtschaftlicher Motor einer Stadt oder Region immer in ihrem konkreten räumlichen Zusammenhang betrachtet werden. Die Masterplanung BER 2040 plant innerhalb eines Projekts land- und luftseitige Belange über verschiedene Maßstäbe hinweg. Eine übergreifende interdisziplinäre Zusammenarbeit und die aktive Beteiligung der verschiedenen Stakeholder am Flughafen und in der Region sind hierfür maßgeblich.
Der Masterplan BER 2040 versteht sich als Teil der weltweit wachsenden Bedeutung der Flughäfen in der Stadt- und Regionalentwicklung. Hier zeigt sich, dass multimodale Erreichbarkeit und herausragende Konnektivität zu nationalen und internationalen Zielen sowie Verfügbarkeit geeigneter Flächen im Flughafenumfeld die Voraussetzungen für eine prosperierende Entwicklung schaffen.
Auftraggeberin
Flughafen Berlin Brandenburg GmbH
Größe
1.800 ha
Planung
2016–2021
Leistung
Strategische Masterplanung / Flughafenentwicklungsplanung
Zusammenarbeit
AMD.SIGMA airport consulting, Berlin, ARGUS Stadt und Verkehr Partnerschaft mbB, Hamburg, Henning Larsen
Fotocredit: ASTOC
Visualisierungen: moka-studio