Wohnbebauung Ebertstraße Tübingen
Quartierserneuerung durch Sanierung und Ergänzungs
In einem dreiteiligen Prozess verwandelt sich ein Bestandsquartier aus den 1930er Jahren in ein durchgrüntes, klimagerechtes Wohnensemble mit verdoppeltem Wohnraum – überwiegend gefördert.
Die Ebertstraße in Tübingen ist ein Sinnbild für viele städtische Wohnquartiere aus der Zwischenkriegszeit: solide gebaut, mit guter Lage und großzügigen Freiräumen, jedoch ohne Balkone, energetisch unzureichend und mit begrenztem Wohnraumangebot. Die GWG Tübingen nutzt diese Ausgangslage als Chance für eine nachhaltige Quartierserneuerung. Das von uns entwickelte Konzept basiert auf dem respektvollen Weiterbauen im Bestand. Vier von fünf Gebäuden aus dem Jahr 1937 bleiben erhalten, werden saniert, aufgestockt und verlängert. Zugleich wird der städtebauliche Zwischenraum durch behutsam eingestreute, kleine Neubauten aktiviert. Ein Bestandsgebäude weicht einem Ersatzneubau mit Tiefgarage und Mobility Hub.


So entsteht auf rund 12.000 m² Grundstücksfläche bis 2029 ein neues, zukunftsgerichtetes Ensemble mit insgesamt 135 Wohnungen, mehr als doppelt so viele wie ursprünglich. Der Anteil öffentlich geförderter Wohnungen liegt bei rund 90 Prozent. Neue Wege geht das Projekt auch baulich: Die An- und Neubauten entstehen überwiegend in Holz- und Holzhybridbauweise und erreichen hohe energetische Standards. Neben dem sozialen Anspruch steht der sensible Umgang mit Material, Konstruktion und Umwelt im Zentrum dieses beispielhaften Wohnprojekts.
Unser Entwurf geht aus einem mehrstufigen Workshop-Verfahren hervor, das nicht auf einen einzelnen Siegerentwurf setzte, sondern den kooperativen Austausch zwischen mehreren Büros förderte. Die nun von uns umgesetzte Planung gliedert sich in drei Bauabschnitte. Zunächst erfolgt der Rückbau eines Bestandsgebäudes an der östlichen Grundstücksgrenze. An seiner Stelle entsteht ein Ersatzneubau mit Quartierstiefgarage, Fahrradstellplätzen, Mobility Hub und 30 geförderten Mietwohnungen in Holzbauweise.


Konstruktiv wird überwiegend in Holz- und Holzhybridweise gebaut. Die Neubauten erreichen den Standard KfW 40/40 Plus, die Bestandsbauten KfW 55. Für die Neubauten ist die Zertifizierung nach NaWoh/QNG vorgesehen. Insgesamt entstehen 135 Wohnungen, davon 123 öffentlich gefördert. Durch das verdichtende Weiterbauen, den nachhaltigen Materialeinsatz und die kluge Mobilitätsvernetzung entwickelt sich die Ebertstraße zu einem beispielhaften innerstädtischen Wohnquartier der Zukunft.
Auftraggeberin
GWG – Gesellschaft für Wohnungs- und Gewerbebau Tübingen mbH
Größe
15.430 m² BGF
Planung und Realisierung
2022–2030
Leistung
Objektplanung LPH 1–8
Zusammenarbeit
Ernst² Architekten, Lintig+Sengewald Landschaftsarchitekten
Credits: (1–6, 12) ASTOC, (7–11) Cordula Diebold Fotografie