Spandauer Ufer Berlin

Transformation eines innerstädtischen Uferareals in ein gemischtes Stadtquartier

Auf dem ehemaligen Postareal in Berlin-Spandau entsteht unmittelbar an der Havel ein hochverdichtetes und durchlässiges Ensemble, das Gewerbe, Wohnen, Hotels, Einzelhandel, Gastronomie zu einem neuen Stadtbaustein verbindet.

Wie kann auf einem lange ungenutzten Areal mit schwieriger verkehrlicher Einbindung ein neuer öffentlicher Ort entstehen – und zwar nicht als in sich abgeschlossene Immobilie, sondern als robuster Beitrag zur Stadtentwicklung? Das Spandauer Ufer antwortet auf diese Herausforderung mit einem hybriden Nutzungsmix, architektonischer Differenzierung und einer städtebaulichen Struktur, die Übergänge statt Grenzen schafft.

Zentraler Gedanke ist dabei die Öffnung des Areals zur Havel. Eine Passage durch das Quartier verbindet die Wasserlage mit dem Stadtraum und schafft einen neuen Ort für Aufenthalt, Freizeit und Konsum. Sie bildet das Herz des Ensembles – als öffentlich zugängliche Freifläche, die die umliegenden Nutzungen aktiviert und die neue Uferkante in das alltägliche Stadtleben einbindet. Das Projekt steht exemplarisch für unsere Haltung, dichte urbane Strukturen mit hoher Nutzungsvielfalt und öffentlicher Zugänglichkeit zu verbinden – auch und gerade in komplexen Lagen.

Das neue Quartier schirmt seinen Innenbereich gegen die wichtigen Verkehrsachsen (ICE-Bahnlinie und Durchgangsstraßen) ab und öffnet sich dabei zur Havel.

Das 1,4 Hektar große Grundstück am Spandauer Ufer – ehemals zentraler Poststandort – lag über zwei Jahrzehnte brach. Eingefasst von Verkehrstrassen und gegenüber der Spandauer Altstadt isoliert, bot es dennoch hohes Potenzial für einen neuen Quartiersbaustein. In einem von ASTOC 2016 gewonnenen Werkstattverfahren entstand ein Konzept, das drei unterschiedlich hohe Hochhäuser in ein blockrandartiges Gefüge einbindet.

Eine diagonal verlaufende Passage durchquert das Areal und vernetzt Spandauer Altstadt, Uferlage und Bahnanschluss. Sie fungiert zugleich als öffentlicher Freiraum mit Gastronomie, Einzelhandel und Aufenthaltszonen – als lebendiger Ort zwischen Havelpromenade und Stadt. Diese räumliche Durchlässigkeit sorgt für Belebung, Sichtbezüge und Adressbildung im gesamten Ensemble. Das Projekt kombiniert Hotels, Büros, Einzelhandel, Gastronomie, Wohnen und Infrastruktur in vertikaler Schichtung und schafft ein ganztägig belebtes Stadtquartier. Die Erdgeschosszonen sind durchgängig aktiviert, vielfältige Eingänge und öffentliche Räume fördern die Adressbildung und soziale Teilhabe.

 

Die Planung wurde in einem kooperativen BIM-Prozess entwickelt. Neben der architektonischen Ausdifferenzierung standen technische Herausforderungen wie der Umgang mit Verkehrslärm, die Lage zwischen U-Bahn-Trasse und Havel, der Schutz historischer Blickbeziehungen zum Rathaus sowie innovative Energiekonzepte im Fokus. So wurde u. a. die Nutzung von Flußwasser zur Gebäudekühlung und die Anbindung an eine benachbarte Abwasserdruckleitung zur Energiegewinnung geprüft. Für die integrale Planung und die städtebauliche Qualität erhielt das Projekt bereits in der Entwurfsphase das DGNB-Vorzertifikat in Gold. Der Planungsprozess war über mehrere Jahre hinweg von hoher personeller Kontinuität geprägt – und zugleich von großer technischer und organisatorischer Komplexität. Die Planung reagierte auf zahlreiche Veränderungen, etwa durch Grundstücksfragen oder Anforderungen des Denkmalschutzes. Die städtebauliche Grundidee – ein öffentlich durchlässiges, vertikal gemischtes Ensemble – blieb dabei stets tragfähig.

Das Spandauer Ufer ist ein typisches Beispiel für unsere Arbeit an komplexen Transformationsstandorten mit gemischten Programmen und hoher stadträumlicher Verantwortung. Unsere Leistungen umfassen den Wettbewerbsentwurf, die städtebauliche Rahmenplanung, die integrale Hochbauplanung und Fassadenentwicklung sowie die Koordination eines interdisziplinären Planungsteams im BIM-Modell – vom Konzept bis zur Bauantragsreife. In enger Abstimmung zwischen Auftraggeber, Behörden und unter Einbeziehung der Öffentlichkeit entsteht ein städtisches Ensemble, das urbane Dichte mit Nutzungsvielfalt und Aufenthaltsqualität verbindet.

Auftraggeberin
Spandauer Ufer GmbH & Co. KG, Schönefeld

Größe
70.600 BGF, 1,4 ha

Planung und Realisierung
2016–heute

Leistungen
Städtebauliche Werkstattverfahren, Objektplanung LPH 1–4

Zusammenarbeit
Kunst + Herbert, Hamburg, KRAFT.RAUM., Krefeld

Auszeichnung
DGNB Vorzertifikat Gold

Visualisierungen: Play-Time, Barcelona

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