Neues Luzerner Theater

Wettbewerbsentwurf für ein Dreispartenhaus am Reussufer

Ein Theater an diesem ort muss zugleich haus, Stadtraum und öffentliche Bühne sein.

Kulturbauten in historischen Stadtzentren verhandeln mehr als ihre eigene Architektur. Sie prägen öffentliche Räume, Sichtbeziehungen und die Wahrnehmung eines Ortes über Jahrzehnte. Zugleich übernehmen sie eine kulturelle, soziale und gesellschaftliche Aufgabe, indem sie Austausch ermöglichen, Öffentlichkeit herstellen und unterschiedliche Gruppen zusammenführen. Am Theaterplatz in Luzern trifft diese Aufgabe auf eine besondere städtebauliche Dichte. Reuss, Altstadt, Blockstruktur der Neustadt und Jesuitenkirche bestimmen den Ort aus unterschiedlichen Richtungen. Der Wettbewerb suchte deshalb nach einer Lösung, die einen leistungsfähigen Mehrspartenbetrieb mit der Bedeutung des Stadtbildes verbindet.

Der Beitrag „La Soirée Blanche“ versteht das Neue Luzerner Theater als vermittelnden Stadtbaustein. Für ASTOC liegt die Relevanz der Aufgabe in der Verbindung von Städtebau, öffentlichem Raum und hoch spezialisiertem Kulturbau auf engem Grundstück. Das Theater wird dabei als Teil des urbanen Alltags gedacht, mit einer niedrigschwelligen Präsenz, die über den eigentlichen Vorstellungsbetrieb hinausreicht.

Ansicht Reussufer

Der Baukörper besetzt das Baufeld zwischen Reusspromenade und Hirschengraben und ergänzt das Ensemble aus Jesuitenkirche und Staatskanzlei. Seine Ausrichtung folgt der Uferkante und vermittelt zugleich zur östlich anschließenden Blockrandbebauung. Zwei Rückstaffelungen nehmen die Höhen der Umgebung auf und gliedern das Volumen horizontal. Zur Reuss orientiert sich eine weitgehend offene öffentliche Zone. Separate Zugänge erschließen Grossen Saal, Mittleren Saal und Studio unabhängig voneinander. Gastronomie und Foyers verbinden diese Adressen zu einem räumlichen Kontinuum. Damit erhält das Theater mehrere Schnittstellen zur Stadt und kann unterschiedliche Veranstaltungsformate parallel bespielen.

Die vertikale Organisation reagiert auf den Planungsperimeter von rund 5.500 m². Der Grosse Saal mit mindestens 600 Plätzen bildet das räumliche Zentrum. Darüber liegt der Mittlere Saal mit rund 300 Plätzen, ergänzt durch Restaurant und Dachterrasse. Das Studio im Erdgeschoss öffnet sich zum Stadtraum und kann auch als Bühne für den öffentlichen Raum genutzt werden. Insgesamt umfasst das Raumprogramm rund 7.500 m² Nutzfläche.

Die drei Spielstätten erhalten unterschiedliche Beziehungen zur Stadt. Der Grosse Saal lässt sich von der Opernbühne mit Orchestergraben zu einer ebenen Kongress- und Arenakonfiguration umbauen. Der Mittlere Saal verbindet sich mit Restaurant und Dachterrasse zu einer weiteren Veranstaltungsebene. Das Studio kann sich über eine faltbare Fassade bis zum Außenraum an der Jesuitenkirche erweitern. Eine weisse, vorhangartige Fassade, die über dem transparenten Erdgeschoss gerafft ist, verbindet die Säle und Foyers zu einem Körper mit elegantem Faltenwurf.

Erdgeschoss mit Umgebung
1. Obergeschoss

„La Soirée Blanche“ behandelt das Theater als Teil einer zusammenhängenden urbanen Öffentlichkeit. Seine Foyers, Gastronomieangebote und Zugänge erweitern den Theaterbetrieb in den Stadtraum und ermöglichen Nutzung über Aufführungszeiten hinaus. Damit wird der Kulturbau zu einem Ort für Begegnung, kulturelle Teilhabe und gesellschaftlichen Austausch. Die Stapelung komplexer Funktionen zeigt zugleich, wie Kulturbauten auf knappen innerstädtischen Grundstücken räumliche Vielfalt erzeugen können. Architektur übernimmt hier eine vermittelnde Rolle zwischen kultureller Institution, öffentlichem Raum und historischer Nachbarschaft.

Auftraggeberin
Projektierungsgesellschaft Neues Luzerner Theater, Stadt Luzern

Größe
rd. 13.800 m² BGF

Planung
2021–2022

Leistung
Wettbewerb

Credits: ASTOC

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