Gutleut-West Frankfurt am Main
Städtebauliches Leitkonzept für ein produktives Stadtquartier
Lebendige Stadtquartiere entstehen dort, wo wohnen, arbeiten und Produktion dicht zusammenliegen: Frankfurt am Main forciert das im Gutleut-West.
Gutleut-West liegt zentral, ist historisch gewachsen und funktional fragmentiert. Steigende Wohnraumnachfrage, gewerblicher Strukturwandel und die Mobilitätswende treffen hier auf ausgeprägte Flächenknappheit. Die Frage, wie ein solches innerstädtisches Areal gleichzeitig verdichtet, gemischt genutzt und klimaresilient transformiert werden kann, steht im Mittelpunkt der aktuellen Stadtentwicklungsdebatte.
Im Rahmen eines kooperativen Dialogverfahrens erarbeitete ASTOC ein strategisches Leitkonzept als Grundlage für nachfolgende städtebaulich-freiraumplanerische Wettbewerbe. Das Szenario „Neue urbane Mischung“ formuliert eine klare Haltung: Transformation gelingt durch dichte, gemischt genutzte Strukturen, Bestandsintegration und ein robustes städtebauliches Gerüst, das Wandel im laufenden Betrieb ermöglicht.
Für ASTOC steht Gutleut-West exemplarisch für einen Planungsansatz, der strukturellen Wandel als gesteuertes Weiterschreiben des Bestehenden versteht.
Das 34 Hektar große Planungsgebiet gliedert sich in einen nördlichen und einen südlichen Teilbereich. Wohnen, Arbeiten, Gemeinbedarf, Kultur und urbane Produktion werden kleinteilig verzahnt und vertikal gestapelt. Das räumliche Rückgrat bildet die Gutleutstraße: Mit einer integrierten Straßenbahn, drei neuen Haltestellen und klimaaktiven Grünräumen vernetzt sie die Teilbereiche und bündelt das feinmaschige Erschließungsnetz für Fuß- und Radverkehr.
Das Leitkonzept folgt dem Prinzip der „Petrischale“, einem flexiblen, schrittweisen Wachstum innerhalb eines stabilen städtebaulichen Rahmens. Unmittelbar aktivierbare Baufelder und umnutzbare Leerstandsflächen fungieren als Starterprojekte, die erste Impulse setzen und als Keimzellen für die weitere Quartiersentwicklung wirken. Die Entwicklung verläuft in funktional eigenständigen Einheiten mit individuellen thematischen Schwerpunkten, etwa urbaner Produktion, gemeinschaftlichem Wohnen oder Kreativnutzungen. Bestandsorte wie die Wurzelsiedlung, der Sommerhoffpark und das Milchsackgelände bleiben als räumliche und soziale Ankerpunkte erhalten.
Das „Petrischale“-Prinzip verschiebt den klassischen Masterplan-Gedanken grundlegend. Das Leitkonzept legt ein robustes Gerüst fest, das Teilentwicklungen unabhängig voneinander zulässt und dabei die Gesamtstruktur sichert. Jede Einheit erhält eine aus dem Bestand abgeleitete Entwicklungslogik, die neue Nutzungsimpulse und individuelle Identitäten erzeugt. Der Gesamtplan bleibt offen für veränderte Anforderungen, ohne räumliche Kohärenz einzubüßen.


Als eines der Leitprojekte der Frankfurter Stadtentwicklung ist Gutleut-West ein Referenzfall für die Planung produktiver Stadtquartiere unter realen Nutzungskonflikten und Flächenknappheit. Die modulare Entwicklungslogik macht das Konzept auf vergleichbare Konversionsräume in anderen Städten übertragbar. Der Ansatz adressiert die gesellschaftliche Frage, wie Wohnraum, Produktion und Gemeinbedarf in innerstädtischen Lagen gleichrangig gesichert werden können. Die Integration von Klimaanpassung, Mobilitätsinfrastruktur und sozialer Mischung in einem gemeinsamen räumlichen Rahmen positioniert das Leitkonzept als Beitrag zur aktuellen Debatte über Nutzungsvielfalt und Resilienz in europäischen Innenstädten.
Auftraggeber
Stadt Frankfurt am Main
Größe
rd. 34 ha
Planung
2024
Leistung
Städtebauliches Leitkonzept im Rahmen eines kooperativen Dialogverfahrens
Credits: ASTOC