Meilenstein Bundesviertel Bonn

Neubau eines gemischten Stadtbausteins mit Büros, Gewerbe und Gastronomie

Im Bonner Bundesviertel entsteht mit dem „Meilenstein“ ein prägnantes Bürohochhaus, das schon heute die spätere Umwandlung in Wohnraum mitdenkt.

Das Bundesviertel in Bonn befindet sich im Wandel, von einem funktionalen Regierungsstandort zu einem gemischten, lebendigen Stadtquartier. Mit der vom Stadtrat beschlossenen Rahmenplanung ist ein klares Ziel formuliert: mehr Urbanität, mehr Durchmischung, mehr Lebensqualität. Der „Meilenstein Bundesviertel“ setzt genau hier an. Er steht exemplarisch für eine neue Generation von Stadtbausteinen, die über ihre eigentliche Funktion hinauswirken: als Landmarke, als Impulsgeber, als Begegnungsort.

Das unmittelbare Umfeld, mit dem Gymnasium, der Bahntrasse und dem Heizkraftwerk, ist geprägt von starken infrastrukturellen und öffentlichen Nutzungen. Unser Entwurf reagiert darauf mit einem freistehenden Hochhaus, das präzise platziert und selbstbewusst formuliert ist. Die Platzgestaltung öffnet sich zum Stadtraum, aktiviert das Erdgeschoss und schafft Kommunikationsräume. Die Architektur antwortet mit klarer Haltung – robust, wandelbar, offen für neue Nutzungen.

Das elfgeschossige Gebäude markiert zukünftig einen wichtigen Bezugspunkt im Bonner Bundesviertel. An der Kreuzung von Ollenhauerstraße und Oscar-Romero-Allee positioniert, entsteht auf dem rund 5.000 m2 großen Grundstück ein offenes, einladendes Ensemble aus Neubau und vorgelagerter Plaza. Damit nimmt der Entwurf die Leitlinien des Rahmenplans Bundesviertel auf, der hier eine städtebauliche Verdichtung und klare Adressbildung vorsieht.

Im Erdgeschoss sorgen Gastronomie und Gewerbenutzungen für urbane Lebendigkeit, während in den Obergeschossen hochflexible Bürozonen entstehen. Die Struktur ist so konzipiert, dass sie unterschiedliche Arbeitswelten ermöglicht – vom klassischen Zellenbüro bis zur offenen Teamlandschaft. Zudem ist das Gebäude bereits heute auf eine spätere Umnutzung zu Wohnen vorbereitet. Die Erschließung, die Fassadengliederung sowie die konstruktiven Achsen wurden vorausschauend auf diese Doppelnutzung hin entwickelt.

Das Gestaltungskonzept folgt dem Prinzip der Nachhaltigkeit in allen Aspekten: durch PV-Elemente in der Fassade und auf dem Dach, durch Regenwassernutzung zur Bewässerung der Vegetation, durch natürliche Lüftungsmöglichkeiten und ein hybrides Energiekonzept mit Geothermie und Wärmepumpe. Stadtloggien in allen Himmelsrichtungen öffnen das Gebäude zum Quartier und bringen die grüne Qualität des Freiraums vertikal in die Architektur hinein. Sie sind nicht nur gestalterisches Element, sondern dienen zugleich als Rückzugsort und Mikroklima-Regulator.

Die vorgelagerte Plaza schafft in Verbindung mit den anderen Projektbausteinen eine neue städtische Mitte im Viertel – als Treffpunkt, Aufenthaltsort und Verbindung zwischen öffentlichem Raum und neuer Arbeitswelt.

Das architektonische Rückgrat des „Meilensteins“ bildet eine Serie zurückspringender Stadtloggien, die in alle vier Himmelsrichtungen orientiert sind und weit über eine gestalterische Setzung hinausgehen. Als räumlich wirksame Einschnitte geben sie dem Hochhaus seine unverwechselbare Silhouette, gliedern das Volumen und erzeugen gezielte Bezüge zu Stadträumen in der Umgebung. Zugleich schaffen sie Orte der Identifikation, die sich sowohl in Arbeitswelten als auch bei einer möglichen späteren Wohnnutzung bewähren – Rückzugszonen mit freiem Ausblick, Licht, Luft und begrüntem Vorbereich. Die Architektur nutzt die Loggien aber auch als Bindeglied zur Freiraumgestaltung: Vegetation zieht sich in vertikalen Ebenen durch das Gebäude und findet ihre Fortsetzung in einer differenzierten Platzlandschaft. Die Plaza verzahnt sich als landschaftlich modellierter Stadtraum mit dem Erdgeschoss und wird Teil der Erzählung des Hauses – nicht nur in ihrer Funktion als öffentlich zugänglicher Freiraum, sondern auch durch die Integration wasserbezogener Elemente, Biodiversitätsflächen und eines „grünen Teppichs“, der Mobilität, Aufenthalt und Ökologie gleichwertig berücksichtigt.

Im Gebäudeinneren liegt der Fokus neben der Flexibilität auf atmosphärischer Vielfalt. Unterschiedlich zonierte Aufenthaltsqualitäten, Übergänge zwischen konzentriertem Arbeiten und kommunikativen Begegnungsflächen, klare Orientierung durch Belichtung und Raumabfolge: Der „Meilenstein“ begreift die Innenräume als Erlebnisräume mit architektonischem Charakter, nicht als neutrale Flächencontainer. In seiner vertikalen Organisation, seiner Adressbildung zur Plaza und der Ausbildung markanter Raumelemente versteht sich das Gebäude nicht als reiner Solitär, sondern als identitätsstiftendes Ensemble von Raum, Urbanität und Landschaft im „Rhythmus der Stadt“ – mit bewusst gesetzten Kontrasten und Übergängen. Der „Meilenstein“ macht damit ein ernst gemeintes Angebot an eine Architektur des Wandels: offen, erweiterbar und zugleich fest im Ort verankert

Grundriss Erdgeschoss
Grundriss Transfergeschoss
Grundriss Regelgeschoss

Der „Meilenstein Bundesviertel“ steht für unsere Kompetenz in der Verbindung von urbaner Transformation, nachhaltiger Architektur und lebenswerten öffentlichen Räumen. Mit dem Projekt knüpfen wir an unsere langjährige Auseinandersetzung mit der Gestaltung urbaner Arbeitswelten an. Die markante Kubatur steht auch für ein Spiel mit Maßstäben und wirkt weit über die städtebauliche Setzung hinaus: Sie erzeugt innenräumliche Qualitäten – mit viel natürlichem Licht, flexiblen Grundrissen und maximalen Bezügen nach außen. Der Entwurf ist damit ein weiterer Ausdruck unseres Anspruchs, Arbeitsorte als lebendige, zukunftsfähige Milieus zu gestalten – architektonisch, sozial und ökologisch.

Auftraggeberin
KREER Development GmbH

Größe
rd. 24.000 BGF

Planung und Realisierung
2020–heute

Leistung
Städtebauliche Studie, Realisierungswettbewerb 1. Platz

Zusammenarbeit
GROW Landschaftsarchitektur, Köln

Visualisierungen: ASTOC

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