Hochschule Ruhr West Mülheim an der Ruhr

Von der Standortsuche über die städtebauliche Planung zur Realisierung eines neuen Campus

„Der neue Campus ist offen und transparent, er bietet optimale Bedingungen.“

Prof. Dr.-Ing. Gudrun Stockmanns, ehem. Präsidentin der HRW

Die Hochschule Ruhr West in Mülheim an der Ruhr – kurz HRW – ist Teil einer landesweiten Entwicklung neuer Hochschulen. Von insgesamt acht untersuchten Standorten in Mülheim an der Ruhr konnte sich das ehemalige Bahn- und Industriegelände in direkter Nähe zum Stadtteil Broich mit optimalen Bedingungen durchsetzen.

Die HRW fungiert jedoch nicht nur als neue Bildungseinrichtung, sondern zugleich auch als Impulsgeber für die Quartiersentwicklung im Umfeld der Hochschule. Die verschiedenen Gebäude des Campus orientieren sich in Bezug auf Volumen und Höhe an der Umgebung und öffnen sich zum Stadtteil und zu den angrenzenden Nutzungen. Der Stadtteil Broich unweit der Mülheimer Innenstadt war lange Jahre durch Leerstand geprägt. Mit dem Forschungscampus zog die Vitalität von 3.500 Studierenden in das Viertel ein, wodurch ein leben­diges Quartier mit einer eigenständigen Identität entstanden ist. Die öffentli­chen Freiflächen der HRW laden mit vielfältigen Freizeitangeboten auch die Anwohner zum Verweilen ein. Mit seinen nachbarschaftlichen Beziehungen ist der Campus ein erfolgreicher Schrittmacher der Standortentwicklung in Mülheim.

Mit insgesamt acht Gebäuden und rund 63.000 BGF erreicht die Hochschule die Dimensionen eines eigenständigen Quartiers: Vier Institutsgebäude, eine Mensa, ein Hörsaalgebäude und eine Bibliothek und ein Parkhaus entstanden auf dem ehemaligen Bahnareal. Statt starrer Fachbereiche wird die Hochschule Ruhr West charakterisiert durch eine hohe Nutzungsflexibilität für einen offenen wissenschaftlichen Austausch.

Bibliothek, Hörsaalzentrum und Mensa definieren zentrale Orte auf dem Campus und sind von allen Seiten aus erlebbar. Die Fassaden der zwei- bis sechsge­schossigen Baukörper sind aus langle­bigem, ortstypischem Vollziegel. Mit jeweils vier helleren und vier dunkleren Fassaden variieren die Gebäude dabei in der Farbmischung, so dass sie verwandt und dennoch lebendig wirken. Die Farbgebung aus warmen Sandtönen und leuchtend roten Akzenten verbindet die verschiedenen Gebäudetypen gestalterisch. Durch die Anordnung der geschoss­hohen Glasfassaden im Erdgeschoss setzt sich der Campus im Inneren der Gebäude fort. Foyers und Außenbereiche werden miteinander vernetzt und erhalten einen fließenden Übergang. Nach außen öffnet sich der Campus mit blühenden naturnahen Wiesenflächen, die nur 1- bis 2-mal im Jahr gemäht werden. Zahlreiche öffentliche Räume machen Angebote für die umliegenden Quartiere.

Die Anforderung, in den Institutsbaukörpern gleichzeitig Büro-, Seminar- und Labornutzungen zu realisieren, führt jeweils zu einer flexiblen Grundrissstruktur, die die zukünftige Entwicklung der Hochschule sichert. Neben Hörsälen mit insgesamt 1.250 Plätzen, verschiedenen Werkhallen und spezialisierten Räumen besitzt die HRW auch diverse hochinstallierte Labore. Die Bibliothek überragt die anderen Gebäude in der Höhe und beherbergt als zentraler Anlaufpunkte das Service-Center für Studierende sowie ein Sprachlabor. Die mittig auf dem Campus gelegene Mensa bildet mit ihrem 11 x 30 Meter auskragenden Speisesaal das Herz des Campus.

Mensagebäude 1. Obergeschoss

Ein Projekt von der ersten Standortsuche bis zur vollständigen Realisierung begleiten zu dürfen, ist für uns ein echter Glücksfall. Die durchgängige Planung über alle Maßstäbe hinweg – von der strategischen Ausrichtung über die Anbindung an die bestehenden Quartiere bis zur Material- und Farbwahl der Gebäude – ermöglicht eine tiefe Durchdringung aller Themen. So entsteht eine kohärente Umsetzung, die die Projektziele in jeder Facette trägt.

Auftraggeber
Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW, Niederlassung Münster

Größe
62.800 BGF, 4,1 ha

Planung und Realisierung
2010–2016

Leistung
Standortuntersuchung, städtebaulicher Masterplan, Realisierungswettbewerb 1. Platz, Objektplanung LPH 1 – 9, Generalplanung

Zusammenarbeit
HPP Architekten, Düsseldorf, Planergruppe, Oberhausen

Auszeichnungen
Auszeichnung Guter Bauten 2017, BDA Mülheim a.d.R., Architizer A+Awards 2017, Kategorie Higher Education & Research Facilities, Nominierung Immobilien Manager Award 2017, Kategorie Projektentwicklung Neubau, Shortlist, iF Design Award 2017, Disziplin Architektur

Fotocredit: Christa Lachenmaier

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