Campus der Universität Duisburg-Essen
Städtebaulicher Masterplan – Siegerentwurf im NRW-Werkstattverfahren
Der Campus Duisburg verdoppelt seine Fläche im laufenden Betrieb und wird zum ersten Praxistest eines neuen Planungsregimes für den NRW-Hochschulbau.
Zwischen Planung und Umsetzung eines Hochschulbaus liegen heute zehn bis fünfzehn Jahre. Das Land Nordrhein-Westfalen will das ändern. Mit der Neuen Masterplanung Hochschulbau, eingeführt im April 2024, ersetzt NRW sequenzielle Planungs-, Prüfungs- und Genehmigungsschritte durch parallele Prozesse und spart so bis zu 30 Prozent Zeit. Die Universität Duisburg-Essen gehört zu den drei Auftakthochschulen. Der Campus Duisburg ist das erste konkrete Bauvorhaben, das aus diesem Verfahren hervorgeht.
Drei ingenieurwissenschaftliche Fakultäten, Maschinenbau, Informatik und Elektrotechnik, werden am Standort Duisburg zusammengeführt. Die Geschossfläche wächst dabei nahezu auf das Doppelte. Laufender Betrieb, ein gewachsener Baumbestand und ein bestehender Bebauungsplan setzen die Bedingungen. Letzterer ist dabei kein Hindernis, sondern Beschleuniger: Wer ihn einhält, vermeidet langwierige Genehmigungsverfahren und ermöglicht einen frühen Baustart. Für ASTOC verbindet das Projekt Planungspraxis mit eigener Forschung zu Campustransformation, die unter den Bedingungen laufenden Betriebs und begrenzter Ressourcen gelingen muss.
Das 19,2 Hektar große Planungsareal liegt im Duisburger Stadtteil Neudorf, zwischen Wohnbebauung im Westen und Wald- und Erholungsflächen im Osten. Auf dieser Fläche steigt die Gesamtgeschossfläche auf 290.000 m², wovon 155.000 m² als Neubau entstehen. Rückbau und Neubau greifen in einer vorgedachten Rochade zeitlich und räumlich ineinander, mit möglichst wenig Interimslösungen, ohne Unterbrechung kritischer Funktionen.
Der strukturelle Kern des Entwurfs ist eine Entscheidung gegen die Aufgabenstellung: Statt einer großen zentralen Mitte entstehen zwei Campusplätze, Nord und Süd. Beide binden jeweils Bestandsgebäude und Neubauten zu einem kohärenten Ensemble zusammen. Räumliche Qualität entsteht damit nicht erst mit dem letzten Bauabschnitt, sondern bereits mit den ersten Maßnahmen im Norden. Die Campuslane verbindet beide Plätze als durchgehende Nord-Süd-Achse, fasst alle wesentlichen Einrichtungen zusammen und definiert den Grad an Öffentlichkeit: zugänglich für das Quartier, aber klar als Campusraum lesbar. Die bestehende Erschließungsstruktur bleibt erhalten.
Einfach zugeschnittene Baufelder und (bis auf ein markantes Hochhaus) der konsequente Verzicht auf komplexe Gebäudetypologien schaffen die Voraussetzungen für wirtschaftliches und schnelles Bauen. Das Werkstattverfahren, das diesen Entwurf hervorgebracht hat, ist dabei selbst Teil des Experiments: niedrigschwelliger und schneller als ein konventioneller Architekturwettbewerb und damit unmittelbarer Ausdruck des neuen Planungsregimes.






Die Frage, wie ein Campus sich weiterentwickelt, ohne seinen Betrieb zu unterbrechen und seinen Charakter zu verlieren, stellt sich an Hochschulstandorten bundesweit. Duisburg entwickelt Antworten unter Realbedingungen. Als einer der ersten Pilotstandorte der Neuen Masterplanung NRW erprobt der Masterplan ein Verfahren, das nach erfolgreicher Pilotphase auf alle staatlichen Hochschulen in NRW ausgerollt werden soll – inzwischen sind bereits sieben Hochschulen Teil des Verfahrens. Das Projekt macht deutlich: Tempo und städtebauliche Qualität im Hochschulbau schließen sich nicht aus.
Auftraggeberin
Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW
Größe
19,2 ha, 289.000 m² BGF gesamt, davon 155.000 m² BGF Neubau
Planung
2026
Leistung
Werkstattverfahren 1. Platz, Städtebaulicher Masterplan
Zusammenarbeit
Die Planergruppe, Essen, Stadt Duisburg, Universität Duisburg-Essen
Credits: ASTOC, Die Planergruppe