Weniger Fläche, mehr Hochschule

Campustransformation in der Praxis – Hochschulbau zukunftsfähig gestalten

Noch vor wenigen Jahren war der Auftrag klar: Wachstum managen, Flächen schaffen, Neubauten realisieren. Masterpläne für Universitätscampus, auch die, an denen wir in den 2010er und frühen 2020er Jahren mitgearbeitet haben, waren geprägt von Expansion. Mehr Studierende, mehr Forschungscluster, mehr Quadratmeter.

Heute lautet der Auftrag anders – und er kommt von mehreren Seiten gleichzeitig. Hochschulen sind öffentliche Institutionen mit Vorbildfunktion: Sie sind gefordert, Flächen effizienter zu nutzen, Ressourcen zu schonen und Interaktion aktiv zu fördern. Die politischen Vorgaben machen das verbindlich – etwa die Anforderung, Büroflächen bis 2030 um bis zu 30 % zu reduzieren. Gleichzeitig generiert der wissenschaftliche Erfolg vieler Hochschulen weiterhin Raumbedarf, während ein massiver Sanierungsstau auf Lösungen wartet. Gebäude überdauern Generationen. Arbeitsweisen, Organisationsformen und Nutzungsanforderungen verändern sich deutlich schneller. Daraus entsteht eine der zentralen Fragen des Hochschulbaus: Wie können Standorte, Flächen und Gebäude dauerhaft anpassungsfähig bleiben?

Genau dieser Frage widmet sich die Broschüre „Hochschulbau zukunftsfähig gestalten“, die wir gemeinsam mit unserem Planungspartner rheform erarbeitet haben, entstanden im Rahmen eines Projekts des Finanz- und Wissenschaftsministeriums Baden-Württemberg. Die zentrale Erkenntnis ist keine technische, sondern eine konzeptionelle: Der Hochschulbau braucht keinen Wachstumsimpuls, er braucht einen Paradigmenwechsel. Die Transformation findet nicht im Zuge von Campuserweiterungen statt, sondern aus dem Innern. Räume müssen nicht mehr einer Person oder Organisationseinheit gehören, sondern einer Tätigkeit dienen. Flächen werden nach Funktion und Arbeitsweise gegliedert, nicht nach Hierarchie und Besitz. Der nicht zusätzlich gebaute oder betriebene Quadratmeter ist dabei der günstigste und nachhaltigste.

Campus Neuenheimer Feld, Heidelberg
Überflug über die Science-City Hamburg Bahrenfeld

Das fordert mehr als bauliche Lösungen. Echte Campustransformation erfordert einen kulturellen Wandel innerhalb der Institutionen, neue Steuerungsstrukturen und eine Planungslogik, die wissenschaftliche Strategie, Flächenentwicklung und Klimaschutzziele von Anfang an zusammendenkt. Der Campus wird zum offenen Wissensquartier: eingebunden in Stadt, Wirtschaft und Gesellschaft, belebt durch komplementäre Nutzungen, vernetzt über seine eigenen Grenzen hinaus.

Wir setzen genau hier an. An zahlreichen Universitätsstandorten entwickeln wir integrale Masterpläne und strategische Standortentwicklungsplanungen, die diesen Anspruch in konkrete räumliche Konzepte und umsetzbare Prozesse übersetzen. Neue Ansätze umzusetzen ist fordernd für alle Beteiligten, vom Rektorat bis in die Fachbereiche. Denn wirkliche Transformation lässt sich nicht verwalten. Sie muss aktiv gestaltet werden.

Hochschule Ruhr West, Mülheim an der Ruhr

Credit: (1, 2) ASTOC, (3) Christa Lachenmaier