Intergierte Sanierungs- und Nutzungsstrategien
Es wird immer deutlicher: Die Zukunft unserer Städte und ihrer Quartiere entsteht nicht mehr nur primär durch Neubau, sondern durch den intelligenten Umgang mit dem, was bereits da ist. Integrierte Sanierungs- und Nutzungsstrategien rücken in den Mittelpunkt, die den Bestand ernst nehmen, seine Potenziale erkennen und nutzen. Es stellen sich dringende Fragen nach vorhandenen Sanierungserfordernissen, Möglichkeiten der Nachnutzung und der effizienten, langfristig gedachten Ausnutzung vorhandener Strukturen. Und das nicht nur beim baulichen Objekt, sondern bei ganzen Arealen und Quartieren. Dabei werden die Mittel knapper, gleichzeitig steigt der Investitionsdruck. In vielen Quartieren zum Beispiel übersteigen die notwendigen Sanierungsbudgets längst die verfügbaren Gelder. Daraus entstehen neue planerische Leitfragen: Welche Strategien für ganze Gebiete braucht es? Welche Prioritäten müssen dabei gesetzt werden? Welche Synergien lassen sich aktivieren? Welche Umsetzungsschritte sind möglich und wie schnell?
Beispiele aus der Praxis weisen die Richtung: Planungen für Flächen der Universität zu Köln etwa entwickeln sich bereits in Richtung Konsolidierung und Verdichtung statt Expansion. In ganz Deutschland werden Quartiere und Siedlungen umfassend saniert, und dabei werden nicht nur die Gebäude betrachtet, sondern auch die Freiräume und die Mobilität. Positive „Nebeneffekte“ der baulichen Ertüchtigung wandeln sich dabei stets mehr in zentrale Ziele: die verbesserte Klimaresilienz von Quartieren, neue Mobilitätsoptionen, technische Versorgungssicherheit, gemeinschaftliche Nutzung von Freiräumen und das in den Fokus gerückte nachbarschaftliche Miteinander. Diese Entwicklung wirkt vom Objekt ins Quartier und umgekehrt. Wie etwa beim Quartier im Eickhof in Hattingen, das nicht nur seine Gebäude baulich und energetisch ertüchtigt und diese in nutzbare Grünräume einbettet hat, sondern soziale Aspekte als zentralen Baustein betrachtet: den Erhalt der Mieterschaft und die Realisierung einer Kita und einer Demenz-WG. Oder die ehemalige Daimler-Siedlung in Stuttgart, die auf eine angemessene Verdichtung des bestehenden Quartiers mit verschiedenen Wohntypen setzt, bei gleichzeitiger Aufwertung des öffentlichen Raums und der Quartiersadresse.
Die Zukunft der Städte entsteht also dort, wo diese lernen, mit ihrem eigenen Bestand produktiv zu arbeiten. Wo Sanierung nicht als Reparatur verstanden wird, sondern als Weiterentwicklung und planerische Haltung. Wo jede Maßstabsebene – vom gesamten Areal zum einzelnen Gebäude – miteinander verzahnt gedacht wird, so dass überraschende Mehrwerte entstehen können. Und wo aus begrenzten Mitteln nicht weniger Qualität entsteht, sondern mehr Klarheit über Ziele, Prioritäten und Umsetzungsoptionen. Kurz gesagt, wo Stabilität und Fortschritt keine Gegensätze sind, sondern sich gegenseitig ermöglichen.
Fotocredit: ASTOC