Holzhafen Bürogebäude West Hamburg
Neubau als Teil des Holzhafenensembles
Das Bürogebäude West vervollständigt die Stadterneuerung entlang der Elbe zwischen Speicherstadt und Övelgönne.
Mit der Transformation des Holzhafens in Hamburg-Altona wurde in den 1990er Jahren ein bedeutendes Kapitel der Stadtentwicklung eröffnet: Aus einem industriell geprägten Hafenrand entwickelte sich ein neues Quartier an der Elbe. ASTOC war gemeinsam mit Kees Christiaanse (KCAP) an dieser Entwicklung beteiligt, erarbeitete den städtebaulichen Masterplan und plante drei direkt an der Kaikante gelegene Gebäude: einen zwanziggeschossigen, gläsernen Wohnturm und zwei flankierende Bürogebäude aus Backstein. Das Bürogebäude West bildet den städtebaulichen Abschluss des Ensembles.
Das Bauforum 1985 leitete die Revitalisierung des nördlichen Elbufers ein. Der Strukturwandel des Hafens eröffnete neue Möglichkeiten, die Stadt an die Elbe zu bringen und das Ufer zu erschließen. Der Holzhafen ist das älteste Hafenbecken in Hamburg, gelegen zwischen Fährterminal und Fischmarkt, und war jahrhundertlang geprägt von Lagerhallen, Freiräumen, Handel und Gewerbe. Traditionell liegt zwischen Hamburger Innenstadt und der Elbe ein schmaler Streifen Lagerhäuser mit roten Backsteinfassaden. Dieses Motiv greift der städtebauliche Entwurf auf: Massive Baukörper wechseln sich mit Freiräumen entlang des Ufers ab. Der Entwurf ist Teil des übergreifenden Planungsprinzips der „Perlenkette“ von Neubauten, die zwischen Speicherstadt und Övelgönne entlang der Waterkant verläuft und die Stadt ans Wasser heranführt.
Das Bürogebäude West greift charakteristische Elemente der Hafenarchitektur auf: Backstein, klare Geometrien und großformatige Fensterbänder, und setzt diese zeitgenössisch und funktional um. Mit seiner Volumetrie schafft es eine neue Maßstäblichkeit zwischen dem Altonaer Elbhang und dem Hafen. Es greift dabei die Gestaltungsprinzipien des Bürogebäudes Ost auf und variiert sie.
Das Gebäude steht auf einem gemeinsamen Sockel mit dem benachbarten Wohnturm und erstreckt sich über sieben Vollgeschosse. In drei Untergeschossen befindet sich eine öffentlich zugängliche Tiefgarage. Die Grundrissstruktur ist kammartig organisiert und entwickelt sich um zwei Lichthöfe, mehrere Durchgänge und Atrien. Diese Gestaltung ermöglicht vielfältige Sichtbeziehungen zur Elbe und zum Elbhang sowie eine differenzierte Belichtung und Belüftung der innenliegenden Räume. Insgesamt stehen rund 9.500 m² Hauptnutzfläche für 500 flexible Büroarbeitsplätze zur Verfügung. Die einzelnen Einheiten sind zwischen 200 und 400 m² groß und frei kombinierbar. Eine Doppelfassade mit zu öffnenden Elementen sorgt für natürliche Belüftung. Die eingesetzten Materialien, insbesondere der rote Ziegel, referenzieren die benachbarten Speicherbauten und Kontorhäuser. Die Fassadengliederung durch horizontale Fensterbänder und vertikale Einschnitte erzeugt eine rhythmisierte, zugleich ruhige und markante Erscheinung.
Die gestapelte Struktur des Gebäudes wird durch rückspringende und auskragende Volumen gegliedert. Dabei entsteht nicht nur ein skulpturaler Baukörper, sondern auch vielfältige Aufenthaltsqualitäten. Brückenelemente verbinden die drei Gebäudequerriegel. Der Zugang erfolgt über eine großzügig gestaltete Vorzone, die zugleich den Sockel des Gebäudes erschließt. Hier befindet sich ein öffentlicher Boardwalk entlang der Elbe. Der zur Wasserseite orientierte Innenhof ist als Freiraum gestaltet, der zum Aufenthalt einlädt und Blickbeziehungen zum gegenüberliegenden Hafen öffnet. Die gliedernde Struktur des Gebäudes schafft Maßstäblichkeit gegenüber der gewachsenen Bebauung im Rückraum und zugleich Präsenz in der Hafenlandschaft.
Der Entwurf des Bürogebäudes Ost ist Teil eines umfassenden Transformationsprozesses, der von ASTOC und Kees Christiaanse (KCAP) mitgestaltet wurde und seinen Ursprung im zweiten Bauforum „Stadt am Hafen – Projekte für das Elbufer“ hat. Vergleichbar mit der HafenCity, deren Masterplan auf dem vierten Bauforum basiert und ebenfalls von ASTOC und KCAP entwickelt wurde, leitete der städtebauliche Entwurf für den Holzhafen und seine Neubauten die Revitalisierung des nördlichen Elbufers ein. Ein zuvor unzugängliches Areal wurde für die Stadt geöffnet und entwickelte jene charakteristische, heute als selbstverständlich wahrgenommene urbane Lebensqualität.
Auftraggeberin
B&L Holzhafen West GmbH & Co. KG
Größe
rd. 15.300 m² BGF
Planung und Realisierung
1994–2011
Leistung
Realisierungswettbewerb 1. Platz, Objektplanung LPH 1–4, LPH 5 Leitdetails, LPH 6 teilweise, LPH 8 künstlerische Oberleitung
Zusammenarbeit
Kees Christiaanse / KCAP, Rotterdam (NL), Kunst + Herbert, Hamburg
Fotocredit: HG Esch Photography