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D-Solingen Bahnstationen Solingen Mitte und Grünewald
Die Stadt Solingen ist vor allem für die Herstellung von Scheren und Messern bekannt. Der Aufschwung der Solinger Metallwaren-Betriebe begann schon 1794 mit der Verleihung von Scherenmacher-Privilegien. Nur 17 Jahre später ließ Johann Abraham Gottlieb Fries in Solingen die Herstellung von Tiegelgussstahl patentieren.

Im Zuge der Industrialisierung schnell gewachsen, ist die Stadt Solingen heute ein Konglomerat aus kleineren, miteinander verschmolzenen Siedlungskernen. Fünf Städte wurden 1929 zur Großstadt Solingen vereinigt. Zwischen diesen Zentren wurden die unterschiedlichsten Verkehrswege gesponnen: Bis heute sind die sechs Linien der Oberleitungsbusse ein markantes Charakteristikum der Stadt geblieben und Solingen hat mit einer speziellen, nicht mehr betriebenen „Oberleitungsbus-Drehscheibe“ im Stadtteil Burg und der Müngstener Brücke, der höchsten Eisenbahnbrücke Deutschlands, zwei einzigartige historische Verkehrsbauwerke zu bieten. Anschluss an das Eisenbahnnetz bekam Solingen 1867 und nur 20 Jahre später wurde zusätzlich die wegen ihrer kurvenreichen Trassierung durch das Bergische Land „Korkenzieherbahn“ genannte Linie eröffnet. 1897 fuhr in Solingen erstmals eine elektrische Straßenbahn, die erst 1952 durch einen Oberleitungsbus ersetzt wurde.

In einer – durch kommunale Gebietsreform und Erweiterung des Stadtgebietes – zusammengewachsenen Stadt wie Solingen kann die Gestaltung der Bauten für die städtischen Verkehrsmittel bei der urbanen Identitätsstiftung eine entscheidende Rolle spielen. Darauf zielt auch der Entwurf zweier Haltepunkte von ASTOC ab. Denn seit im Zuge der „Regionale 2006“ der Hauptbahnhof Solingen stillgelegt und zum „Forum für Produktdesign“ umfunktioniert wurde, wird der Bahnhof Solingen-Ohligs „Hauptbahnhof“ genannt. Ersetzt wurde der frühere Hauptbahnhof durch die neuen Haltepunkte Solingen-Grünewald und Solingen-Mitte. Sie verbinden das O-Busnetz mit dem S-Bahnnetz Rhein-Ruhr.

Die Bus- und Bahnstation Grünewald wurde im Zuge dieser Umstrukturierungen zu einem „Tor zur Stadt“ aufgewertet. Wie auch bei der anderen Station dient ihr markantes Metalldach als Orientierungspunkt innerhalb der Stadt. Die Umsteigestation liegt direkt neben den Zwillingswerken, dem vielleicht berühmtesten Arbeitgeber der Stadt, und der neue Bahnhof dient in beide Richtungen als städtisches Merkzeichen.

Die organische Grundform des Bahnhofs Mitte ist ganz aus den umgebenden Verkehrsströmen abgeleitet. Die Station liegt zwischen zwei Brücken über einer Bahntrasse und bietet entlang von drei tangentialen Verkehrswegen allen Umsteigern eine trockene, fußläufige Verbindung.

Für die Architekten lag es nahe, in einer von der Metall- verarbeitung geprägten Stadt auch für die beiden Stationen Metall zu verwenden. Jegliche Schwere ist den Bauten dennoch fremd: Die leichten Streckmetallhauben dienen als Imageträger und helfen dabei, den öffentlichen Raum in ihrem Umfeld zu definieren und aufzuwerten. Bei direktem Sonnenlicht werfen ihre Oberflächen reizvolle Reflexe auf das Trottoir. Beide Stationen verbinden das Straßenniveau mit einer tieferliegenden Ebene und bieten einfach zu findende, intuitive Wegeverbindungen. Eine prägnante Gestalt, einfache Benutzbarkeit und hohe Funktionalität waren den Planern gleich wichtig. Schließlich ist die Ausformung der städtischen Infrastruktur eine der wichtigsten Möglichkeiten zur gestalterischen Intervention im Stadtraum und hilft dabei, den ÖPNV attraktiver zu machen.

Auszeichnungen:
2007 "Renault Traffic Future Award", Innovative Verkehrsarchitektur in Deutschland
2009 Verzinkerpreis, Anerkennung

Fotos: Geodaten © Stadt Solingen, Der Oberbürgermeister, Stadtdienst Vermessung und Kataster / Günter Lintl, Wuppertal

PROJEKTDATEN
Auftraggeber
Stadt Solingen, vertreten durch Stadtdienst Planung, Mobilität, Denkmalpflege und TBSG (Technischer Betrieb Straße und Grün / vormals VBS)

Planungs- und Bauzeit
Wettbewerb 2002, 1. Preis
Planung 2002-2003
Realisierung 2006-2007

Größe
Busbahnhof Mitte 3.600 qm

Mitarbeiter
Niels Frerichmann, Lena Hocke, Norbert Philippen, Jörg Schatzmann, Ansgar Schmidt, Bernhard Schumann, Ulrich Weingärtner

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