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D-Frechen Wohnen Grube Carl
Die Grube Carl in Frechen gehört zu einem Ring von Braunkohlegruben südwestlich der Stadt Köln. Sie war von 1907–1995 in Betrieb. Die Firma Rheinbraun AG hatte die Grube in Benzelrath 1905–1907 erbaut. Es ist die letzte erhaltene Anlage ihres Alters in der Bundesrepublik. Die ehemalige Brikettfabrik ist heute denkmalgeschützt, sodass der Produktionsablauf ablesbar bleiben kann: Ehemals wurde hier Braunkohle per Bahn angeliefert, befeuchtet und verarbeitet. Die gesamte Anlage liegt auf einem Plateau und dominiert mit ihren Schloten und Dachaufbauten die Silhouette der Gegend. Die Schlote wurden erhalten und werden nun abends stimmungsvoll illuminiert.

Ausgehend von der Prämisse, dass fortgesetzte Nutzung der beste Denkmalschutz ist und angesichts der Tatsache, dass die Gegend um Rhein und Ruhr bereits reich an Industriedenkmalen ist, wurde die Fabrik zu einer außergewöhnlichen Wohnanlage umgebaut. Von zehn Fabrikgebäuden wurden sechs erhalten. Die Gebäude „Pressenhaus“, „Nassdienst“, „Elektrostation“ und „Niederdruckkesselhaus“ wurden zu Loftwohnungen umgebaut. Sie erhielten neue Dächer, restaurierte Fassaden und sind durch die prägnanten Bandbrücken verbunden. Die Außenanlagen wurden ebenfalls neu gestaltet.

Architektonisch zielt der Umbau nicht auf ein High-End-Design, sondern auf komfortables, bezahlbares Wohnen mit einmaliger Atmosphäre. Die Gebäude auf dem Grubengelände haben ganz unterschiedliche Maßstäbe. Die ehemalige Werkstatthalle wurde zu Townhouses mit Parkgaragen. Dafür mussten lediglich „Kerne“, also Treppen und Aufzüge, eingefügt werden. In das ehemalige Trocken- und Pressenhaus wurden große Wohnungen eingebaut, die flexibel in der Aufteilung sind und große Stahlbalkone oder bis zu 65 Quadratmeter große Dachterrassen haben. In Frechen kann man stadtnah wohnen und dennoch weite Blicke in die umgebende Natur genießen. In den obersten Geschossen wurden Maisonettes gebaut, mehrheitlich als Eigentumswohnungen. Ihre expressive Dachlandschaft nutzt die ehemaligen Ablufthauben der Grube. Die Kontur der Dachaufbauten konnte erhalten werden. Sehr unterschiedliche Deckenhöhen von bis zu 4,50 Meter geben den Wohnungen ein außergewöhnliches Raumgefühl. In weiteren Gebäuden entstanden zehn Stadthäuser sowie Gewerbe- und Büroeinheiten. In einer ehemaligen Lagerhalle wurde eine „Parkpalette“ eingebaut.

Eine neu eingerichtete „Denkmalachse“ wurde als Reminiszenz an die Industriegeschichte des Ortes angelegt und führt von der ältesten Brikettpresse zum Trocken- und Pressenhaus. Als offener Durchgang zwischen zwei Stadträumen verknüpft sie den nördlichen und südlichen Teil des Quartiers und macht Industriekultur erlebbar.

Der Umbau erfolgte sensibel und in mehreren Bauabschnitten. Das Konzept erwies sich als sehr erfolgreich und wurde so zu einem guten Beispiel für eine nachhaltige Stadtentwicklung, die historisch Überkommenem neue Qualitäten abgewinnt.

Auszeichnungen:
2008 "NRW wohnt - Wohnen an ungewöhnlichen Orten", Ministerium für Bauen und Verkehr des Landes NRW zusammen mit der Architektenkammer NRW

Fotos: Christa Lachenmaier, Köln

PROJEKTDATEN
Auftraggeber
Treukontor AG, Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Köln

Planungs- und Bauzeit
Planung 2004-2006
Realisierung 2006-2008

Größe
BGF: 16.000 qm

Mitarbeiter
Sophie Beuter, Ruth Bünker, Johannes Groote,Till Hoevel, Norbert Philippen, Katja Schotte, Bernhard Schumann, Uschi Stengel, Kristina Menken

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