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D-Düsseldorf Wohnen Orsoyer Strasse
Dass es neben Reihenhausbauweise, ausufernden Einfamilienhaussiedlungen und Blockrandbebauungen im zeitgenössischen Städtebau noch einen dritten Weg gibt, beweist eindrücklich die Wohnbebauung an der Orsoyer Straße im Norden von Düsseldorf unweit des Rheins. Diese schafft mit sechs großen und kompakten, winkelförmigen Stadtvillen und einem das Grundstück schließenden, ebenfalls winkelförmigen Kopfbau urbane Dichte mit differenzierten und großzügigen Freiräumen. Der formal sehr zurückhaltende Wohnkomplex ist das gelungene Ergebnis eines dialogischen Workshop- verfahrens mit Bürgerbeteiligung am „runden Tisch“.

Möglich wurde der Neubau durch den Abzug der britischen Truppen aus Nordrhein-Westfalen nach der deutschen Wiedervereinigung, denn die Streitkräfte hatten auf dem Grundstück ihre Offizierswohnungen untergebracht. Die herrlichen alten Platanen am Reeser Platz konnten erhalten werden und verleihen der Straße und dem Wohnumfeld ihren Charme.

Die zweigeschossigen großen und städtischen Reihenhäuser auf der einen Straßenseite sollten von den höheren neuen Nachbarn mit vier und sechs Etagen auf der anderen Seite optisch nicht miniaturisiert werden. Der Entwurf löst den gordischen Knoten im Städtebau und bedient sich einiger einfacher, aber raffinierter Maßnahmen: Um sich in die bestehenden Maßstäbe einzufügen, vermittelt der Bau zwischen einer viergeschossigen Bebauung an der rückwärtigen
Kaiserswerther Straße und der zweigeschossigen Bebauung an der Orsoyer Straße, indem die Baumasse in straßenbegleitende und im Volumen gestaffelte Einzelhäuser aufgelöst wird. Das führt nicht nur zu einem freundlicheren Nachbarn, sondern bietet auch den Vorteil der besseren natürlichen Belichtung und Belüftung und schafft mehr Fassadenfläche, die für französische Fenster und große Balkone genutzt wird. Räumliche Qualität und hohe Dichte scheinen sich plötzlich nicht mehr auszuschließen, sondern sogar im Gegenteil einander zu befördern. ASTOC hatte sich mit seinem Konzept in einem Wettbewerb durchgesetzt und das Projekt vom städtebaulichen Entwurf über die Bebauungsplanung bis zu den kleinsten architektonischen Details gestalten können – eine gute Grundlage für die ungewöhnlich hohe und konsistente Qualität der Wohnanlage. Bauherr war die Bayerische Hausbau aus München. Um einen klar formulierten Innenhof entstanden weiße Stadtvillen mit Gartenanteil und großen Loggien. Um Rücksicht auf den Maßstab der Nachbarbebauung zu nehmen, haben die weiß verputzten Kuben ebenfalls eine Traufhöhe von nur zwei Etagen. Die Gebäudeecken sind geöffnet, um Raum für Loggien zu bieten und den Baukörpern zusätzliche Leichtigkeit zu geben. Die oberen beiden Stockwerke sind zurückgestaffelt und haben einen Austritt auf große Dachgärten. An der schmalsten Stelle des Grundstücks gibt es quadratische und wo es die Form des Grundstücks zulässt, auch tiefere Stadthäuser.

Ebenso wichtig wie die Gestaltung der Häuser und der Wohnungen ist die Ausformulierung der Freiflächen. Sie sind sorgfältig abgestuft und führen vom öffentlichen über einen halböffentlichen Bereich zu den privaten Außenräumen der Bewohner. Eine niedrige Natursteinmauer grenzt die Gärten von der Straße ab und greift dieses in der Nachbarschaft verwendete Material auf. Der Verlust an Grünfläche und die Versiegelung wird durch intensiv begrünte Dachgärten und extensiv begrünte Flachdächer kompensiert, die zugleich das Stadtklima in dem dicht bebauten Stadtteil verbessern. Die Grundrisse sind variabel und vielfältig gestaltet, auch um eine soziale Mischung der Anwohnerstruktur in der Straße zu befördern. Die Wohnungs- größen reichen dabei von 65 bis 200 Quadratmeter. Das elegante gestalterische Understatement, das die Baukörper prägt, findet sich auch im Inneren der Gebäude wieder, die Häuser wirken zugleich wohnlich und edel.

Auszeichnungen:
Große Nike 2010, Architekturpreis des BDA, Nominierung;
Architekturpreis NRW 2007, Bund Deutscher Architekten, Auszeichnung;
Auszeichnung guter Bauten 2006, Bund Deutscher Architekten, Düsseldorf, Auszeichnung

Fotos: Manos Meisen, Düsseldorf / Christa Lachenmaier, Köln

PROJEKTDATEN
Auftraggeber
Bayerische Hausbau, München

Planungs- und Bauzeit
Wettbewerb 2001, 1. Preis
Planung 2001-2002
Realisierung 2003-2004

Größe
BGF: 11.800 qm

Mitarbeiter
Ruth Bünker, Christian Dieck- mann, Niels Frerichmann, Till Hoevel, Dana Kurz, Guido Meier, Tanja Nelles, Ute Pientka, Norbert Philippen, Oliver Schmidt, Mira Siefken, Robert Wetzels

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